Ein Pfleger hält die Hand einer Frau. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Rainer Jensen/dpa)

Standpunkt Sterbehilfe: "Es geht um echte, wenige Extremfälle"

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Gesundheitsminister Spahn hat mehr als 100 Anträge auf Sterbehilfe pauschal abgelehnt - entgegen einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Berlin-Korrespondentin Mirjam Meinhardt findet: untragbar für die betroffenen schwerkranken Menschen.

Mit dem Erlass zur Sterbehilfe hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die schwer und unheilbar kranken Menschen im Regen stehen lassen. 102 Menschen, die auf das Medikament sehnlichst gewartet hatten, haben es nicht bekommen. Und das, obwohl das Bundesverwaltungsgericht 2017 anders geurteilt hatte. Gesundheitsminister Spahn hat sich über dieses Urteil hinweggesetzt und damit diese Menschen in ihrer Not allein gelassen.

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Diese Menschen sehen für sich nur diesen Weg

Es geht nicht darum, dass der Staat einfach so tödliche Medikamente "en masse" freigibt. 102 Fälle - das ist eine überschaubare Zahl. Und diese Menschen haben es sich sicher nicht leicht gemacht. Die Vorgaben des Gerichts waren deutlich. Es muss sich um unheilbar, schwer kranke Menschen in einer extremen Not handeln. Diese Menschen, so viel würde ich unterstellen, haben mit sich gerungen. Mussten alles begründen. Einen schriftlichen Antrag stellen. Gutachten erstellen und sich beraten lassen. Das ist keine Entscheidung, die aus einer Laune heraus entsteht. Diese Menschen sehen nach gründlicher Abwägung für sich nur diesen Weg.

Es geht um wenige Extremfälle

Ihnen bleibt nach einer Ablehnung nur eine Fahrt in die Schweiz, die sie sich leisten können müssen, oder vielleicht, wenn sie dazu noch irgendwie in der Lage sind, eine womöglich unsichere Selbsttötung.

Für mich kann das nicht die Antwort sein. Wohlgemerkt, es geht um echte, wenige Extremfälle.

Spahns Erlass erging schon 2018

Gesundheitsminister Spahn erklärt seine Haltung mit ethischen und juristischen Bedenken und möchte das grundsätzliche Bundesverfassungsgerichtsurteil abwarten. Das soll Ende Februar kommen. Aus der heutigen Sicht, Anfang 2020, sind das ja nur noch sechs Wochen. So lange werden wir wohl noch warten können, wird der eine oder andere denken. Aus jetziger Sicht mag das nahe liegen.

Wenn ich aber sehe, dass der Erlass von Gesundheitsminister Spahn bereits Mitte 2018 ergangen ist, spätestens dann ist klar, dass dieser lange Zeitraum für die betroffenen, unheilbar kranken Menschen nicht tragbar war.

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