Bahn-Verspätungen in Zahlen So unpünktlich ist die Bahn in Baden-Württemberg

AUTOR/IN

Ausfälle, Verspätungen, Umleitungen - Die Deutsche Bahn gilt gemeinhin als unzuverlässig. Eine Auswertung der SWR Datenreporter zeigt nun: Es gibt große Unterschiede zwischen Regional- und Fernverkehr.

Mehr als 250.000 Datenpunkte

Von Februar bis Juni 2019 hat der SWR die Ankünfte und Abfahrten an fünf großen Bahnhöfen in Baden-Württemberg aufgezeichnet. An den Hauptbahnhöfen von Freiburg im Breisgau, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Ulm hielten in diesem Zeitraum über 250.000 Züge. Um die Qualität der Zugverbindungen bewerten zu können, wurden die Daten nach den Kriterien der Deutschen Bahn ausgewertet: Als verspätet gelten demnach Züge, die mehr als fünf Minuten nach der fahrplanmäßigen Zeit an einem Bahnhof eintrafen oder von dort abfuhren. 

Störungsquelle Fernverkehr

Über die drei Monate hinweg konnte die Bahn bei rund 12 Prozent der beobachteten Halte ihren Fahrplan nicht einhalten. In ihrer bundesweiten Statistik spricht die Deutsche Bahn dagegen nur von etwa 5 Prozent verspäteten Zügen im gleichen Zeitraum. Verzerrt werden diese Gesamtzahlen allerdings dadurch, dass Regional- und Fernverkehr gemeinsam betrachtet werden. Schlüsselt man Verspätungen und Ausfälle nach den einzelnen Verkehrsarten auf, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Während in Baden-Württemberg beispielsweise nur jeder 20. Regionalzug seine fahrplanmäßige Zeit verfehlte, war es im Fernverkehr mehr als jeder 5. Da insgesamt jedoch deutlich mehr Regionalbahnen als ICs und ICEs auf den Schienen unterwegs sind, kaschieren die pünktlichen Regionalverkehre die Probleme auf den langen Strecken. 

Mannheim Schlusslicht

Entsprechend wenig überrascht es, dass sich die Zuverlässigkeit der Bahn an den einzelnen Bahnhöfen stark unterscheidet. Städte mit vergleichsweise geringem Fernverkehrsanteil führen die SWR-eigene Pünktlichkeitsstatistik an. Am anderen Ende der Tabelle steht erwartungsgemäß der große Fernverkehrsknoten Mannheim Hbf mit etwa 13 Prozent unpünktlichen Zügen. 

IC/EC am unzuverlässigsten

Generell scheinen die Züge der Gattungen Intercity und Eurocity besonders häufig Probleme mit der Pünktlichkeit zu haben. So war in Mannheim mit 41 Prozent (EC) bzw. 36 Prozent (IC) mehr als ein Drittel der beobachteten Züge dieser Typen verspätet. Zum Vergleich: Das Bahn-Flaggschiff ICE ließ die Passagiere in 26 Prozent der Fälle länger warten, sein französisches Pendant TGV sogar nur in 17 Prozent. Ein Grund dürfte neben dem oftmals alten Fuhrpark auch in den langen Zugläufen liegen. Beispielsweise legt der IC 2229 auf seiner Fahrt weit über 1.000 Kilometer zurück und durchquert mit dem Ruhrgebiet und dem Mittelrheintal gleich zwei neuralgische Punkte des Bahnnetzes. Entsprechend steht diese Verbindung auch ganz vorne, was die Verspätungen im Südwesten betrifft.

AUTOR/IN
STAND