Fertigspritze mit Grippe-Impfstoff (Foto: picture-alliance / dpa, Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

Situation im Südwesten Impfstoff gegen Grippe wird knapp – was tun?

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Die Erkältungs- und Grippesaison ist längst da. Viele wollen sich noch schnell impfen lassen. Doch: In einigen Regionen ist der Grippeimpfstoff schon komplett aus. Was können Patienten jetzt tun?

In einigen Regionen im Südwesten ist der Grippe-Impfstoff knapp, in manchen komplett aus. SWR Aktuell hat mit Frank Eickmann vom Apothekerverband Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz über die aktuelle Situation gesprochen:

Müssen wir uns im Südwesten Sorgen machen?

Sorgen würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. Es gibt noch Grippeimpfstoff in den Apotheken und auch in den Arztpraxen, aber leider nicht mehr flächendeckend und nicht überall. Und insbesondere haben wir Schwierigkeiten noch Grippeimpfstoff nachzubekommen, dort wo er nicht mehr zur Verfügung steht.

Kann man den Impfstoff innerhalb Deutschlands nicht verteilen - dorthin, wo gerade Bedarf ist? Oder auch Nachschub aus dem Ausland holen?

Das ist juristisch ausgesprochen schwierig, weil der Austausch von Medikamenten stark reglementiert ist durch das Arzneimittelgesetz. Am Dienstag hat Gesundheitsminister Spahn den Vorschlag gemacht, tatsächlich auch mal aus dem Ausland Grippeimpfstoff zu holen und nach Deutschland hin zu verteilen. Den Ansatz teile ich, weil er das Ziel verfolgt, dass jeder, der sich impfen lassen möchte, auch eine Impfung bekommt.

Allerdings wird das ein schweres Unterfangen, weil Grippeimpfstoffe in Kühlkette transportiert werden müssen. Das macht die Logistik schwer – auch schon von Apotheke zu Apotheke innerhalb von Deutschland. Darüber hinaus ist im Ausland nicht überall der 4-fach-Impfstoff gängig, der dieses Jahr in Deutschland verimpft wird.

Könnte man diesen 4-fach-Impfstoff nicht einfach nachproduzieren?

Ja, das ist eine naheliegende Idee. Aber die Produktionszeit von Grippe-Impfstoffen ist ausgesprochen lang. Wir reden hier von etwa einem halben Jahr, den für diese Saison wirksamen Impfstoff zu gewinnen.

Wer trägt die Schuld daran, dass wir dieses Jahr zu wenig Grippe-Impfstoff zur Verfügung haben?

Das Erste ist, dass wir in diesem Jahr eine sehr hohe Nachfrage haben – wohl aufgrund dessen, dass im letzten Jahr die Grippe so heftig zugeschlagen hat. Seit September und den ganzen Oktober über wurde sehr fleißig geimpft, so dass wir hier einfach einen Mehrverbrauch hatten.

Das zweite ist, dass die Hersteller ingesamt weniger Impfstoff produziert haben als im vergangen Jahr. Etwa zwei Millionen Dosen sind zu wenig produziert worden. Allerdings sind im vergangenen Jahr auch gut zwei Millionen Dosen vernichtet worden, weil sie gar nicht gebraucht wurden. Das heißt, die Kalkulation scheint in diesem Jahr nicht gut aufzugehen.

Ein dritter Grund ist auch, dass in dieser Saison die Vorbestellphase nicht gut funktioniert hat, weil erst in Jahresmitte bekannt wurde, welcher Grippeimpstoff tatsächlich von welchem Hersteller durch die gesetzliche Krankenkasse übernommen wird. Dadurch gab es zu wenig Vorbestellungen und jetzt haben wir einfach ein Stück weit ein Verteilproblem: Der Grippeimpfstoff geht zur Neige, viel Reserve ist nicht mehr da. Aber es ist noch Grippeimpstoff in den Praxen da.

Was raten Sie Patienten, die sich jetzt noch gegen Grippe impfen lassen wollen? Möglichst schnell zum Arzt gehen?

Ich würde empfehlen, beim Arzt oder in der Apotheke nachzufragen, ob noch Impfstoff da ist. Das ist tatsächlich örtlich und regional unterschiedlich. Man muss sich ein bisschen kümmern. Aber die klare Empfehlung ist für die definierten Risikogruppen – die älteren Patienten, schwangere Patientinnen, Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten – lassen Sie sich impfen. Die Impfung schützt und wir haben einen sehr hochwertigen Impfstoff in diesem Jahr.

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