Der Schatten von zwei Händen greift nach einem Kinderkopf, der ebenfalls nur als Schatten erkennbar ist. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa)

Missbrauchsfälle in der Evangelischen Kirche Badischer Landesbischof hofft auf zentrale Anlaufstelle für Opfer

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Die Evangelische Kirche in Deutschland will in Fällen von sexuellem Missbrauch konsequent aufklären. Der badische Landesbischof Cornelius-Bundschuh hofft im Interview mit dem SWR auf eine zentrale Anlaufstelle für Opfer.

Im SWR äußerte der badische Landesbischof, Jochen Cornelius-Bundschuh, die Hoffnung, dass die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für Missbrauchopfer schnell auf den Weg bringen werde.

EKD-Synode berät am Dienstag

"Jeder Fall ist ein Fall zu viel und ein Fall, in dem Menschen in einer Weise geschädigt werden, die sie ihr ganzes Leben nicht mehr loslässt", sagte der badische Landesbischof. Er hoffe deshalb, dass die Synode der EKD, die noch bis Mittwoch in Würzburg tagt, die Einrichtung einer unabhängigen, zentralen Anlaufstelle schnell auf den Weg bringen werde. "Eine solche Anlaufstelle soll den Betroffenen helfen, sich zu melden, wenn ihnen der Kontakt in die Landeskirchen, in denen es zu den Übergriffen kam, sehr schwerfällt."

53 Anträge in badischer Landeskirche bearbeitet

Die badische Landeskirche habe auf Missbrauchsfälle bereits reagiert und ein Vertrauenstelefon eingerichtet. Dort könnten sexuelle Übergriffe auch anonym gemeldet werden, ergänzte der Landesbischof. Nach der Erstellung einer ersten Studie im Jahr 2010 sei außerdem eine Anlaufstelle eingerichtet worden, in der Betroffene finanzielle Ansprüche geltend machen könnten. "Wir haben inzwischen 53 Anträge bearbeitet", sagte Cornelius-Bundschuh. "Aber wir wissen natürlich auch, dass viele Opfer sich nicht melden, weil es eine ganze Menge Mut und Kraft erfordert, sich erneut zu erinnern."

Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs als Prävention für die Zukunft

Insgesamt geht die EKD nach Einschätzung des badischen Landesbischofs davon aus, dass seit 1945 etwa 500 Fälle sexuellen Missbrauchs vorliegen. In der Landeskirche Baden seien etwa 60 Fälle bekannt. Konsequenz für die Zukunft müsse sein, durch die Aufarbeitung eine Prävention für die Zukunft zu gewährleisten.

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