Bettina Fächer (Foto: SWR, SWR)

Sexuelle Belästigung im Job. Ein Kommentar Klappe halten hilft nicht

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Bei sexueller Belästigung im Job ist die Dunkelziffer weiterhin hoch. Darüber berät nun die Konferenz der Frauen- und Gleichstellungsministerinnen. Bettina Fächer bezieht Position.

Während ich am Stehpult eine Zeitungsseite für den Andruck korrigiere, tritt ein älterer Redakteur hinter mich. Vertraulich legt er mir eine Hand auf die Schulter. Auf meinen Blick hin zieht er sie zurück und sagt: "Entschuldigung. Ich dachte, Sie sind Frau xy" - auch sie eine junge Journalistin.

Kein Kavaliersdelikt: Anmache im Büro – erst recht nicht, wenn’s der Chef ist (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank May/picture alliance/dpa)
Kein Kavaliersdelikt: Anmache im Büro – erst recht nicht, wenn’s der Chef ist picture alliance/Frank May/picture alliance/dpa

Diese Szene aus der Zeit meiner Ausbildung ist lange her. Und das Thema sexualisierte Gewalt im Arbeitsleben kenne ich glücklicherweise nur aus Erzählungen und Diskussionen. Doch sie kommt weiterhin vor – trotz veränderter Rollenbilder, trotz #Aufschrei und #MeToo-Debatten.

Die amtierende Vorsitzende der Gleichstellungsbeauftragten- und Frauenministerkonferenz (GFMK), Anne Spiegel, sieht (im SWR2-Tagesgespräch) nach wie vor Handlungsbedarf. Sie setzt darauf, dass Frauen Diskriminierung und Gewalt offen ansprechen, und auf ein Netz von Anlaufstellen.

Wichtig: Grenzen ziehen und Akzeptanz einfordern  (Foto: Imago, imago images / MiS)
Wichtig: Grenzen ziehen und Akzeptanz einfordern Imago imago images / MiS

Anlaufstellen sind wichtig. Aber sie setzen erst an, wenn schon etwas passiert ist. Uns allen kann ich nur raten: Macht Eure Töchter stark. Sagt ihnen, dass sie Grenzen ziehen dürfen. Gebt jungen Frauen Beispiele erfolgreicher Chefinnen. Macht bekannter, wo und wie sich Frauen vernetzen.

Macht aber auch Euren Söhnen klar, wie respektvolle Beziehungen funktionieren. Sorgt dafür, dass sie wissen, was guter Umgang mit Sexualität ist. Und wo auch heute der Weg zu Diskriminierung, Mobbing via Smartphone und Gewalt beginnt.

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