Das Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi" der Organisation Sea-Eye. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Rettungsschiff darf anlegen Malta erlaubt Migranten von der "Alan Kurdi" an Land zu gehen

Die Irrfahrt des Rettungsschiffs "Alan Kurdi" ist zu Ende: Die Migranten sind nach Armeeangaben an ein maltesisches Patrouillenboot übergeben worden und in Malta angekommen. Von dort sollen sie auf EU-Staaten verteilt werden.

Die "Alan Kurdi" hatte Kurs auf Malta genommen, nachdem Italiens Innenminister Matteo Salvini die Zufahrt in den Hafen von Lampedusa verboten hatte. Ein Sprecher der maltesischen Armee hatte zunächst erklärt, dass das Rettungsschiff keine Erlaubnis habe, in die Hoheitsgewässer seines Landes einzudringen.

Die Verantwortlichen der Rettungsorganisation "Sea-Eye" hofften dennoch, im Hafen von Malta anlegen zu können, da der Zustand der 65 geretteten Migranten schlecht sei. Im Audio beschreibt Sea-Eye-Sprecherin Carlotta Weibl die Situation der Menschen an Bord:

Kritik von Seehofer

Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte ein hartes Vorgehen angekündigt, sollte die "Alan Kurdi" trotz des Verbots in Lampedusa einlaufen. Daraufhin steuerte das Rettungsschiff Malta als den zweitnächsten sicheren Hafen an.

Für seine Haltung war Salvini von Deutschlands Innenminister Horst Seehofer (CSU) kritisiert worden. "Wir können es nicht verantworten, dass Schiffe mit geretteten Menschen an Bord wochenlang im Mittelmeer treiben, weil sie keinen Hafen finden", schrieb Seehofer in einem Brief an seinen Amtskollegen.

"Ich appelliere daher eindringlich an Sie, dass Sie Ihre Haltung, die italienischen Häfen nicht öffnen zu wollen, überdenken."

Horst Seehofer an Italiens Innenminister Matteo Salvini

Salvini zu keinem Zugeständnis bereit

Salvini erteilte dem Appell umgehend eine Absage. Er forderte die Bunderegierung auf, den Rettungsschiffen die deutsche Flagge zu entziehen, "die Menschenhändlern und Schmugglern helfen". Außerdem solle Deutschland seine Bürger, die italienische Gesetze missachten, zurückholen.

Damit zielt er darauf ab, dass die "Alan Kurdi" unter deutscher Flagge fährt. Zudem hatte vor einer Woche das Rettungsschiff Sea-Watch 3 unter dem Kommando der deutschen Kapitänin Carola Rackete entgegen Salvinis Verbot den Hafen von Lampedusa angesteuert. Sie hatte zuvor mit 40 Migranten an Bord zwei Wochen darauf gewartet, einen sicheren Hafen ansteuern zu dürfen.

"Die Bundesregierung bittet mich, italienische Häfen für die Schiffe zu öffnen? Absolut nicht."

Matteo Salvini an Horst Seehofer

14 Leichen geborgen

Das Sterben im Mittelmeer geht unterdessen weiter. Die tunesische Küstenwache barg am Wochenende die Leichen von 14 afrikanischen Migranten. Ihr Boot mit 70 Menschen an Bord war von Libyen mit Ziel Europa aufgebrochen und gekentert.

REDAKTION
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