Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" liegt im Hafen der Insel Lampedusa (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Deutsche Sea-Watch-Kapitänin wieder frei Sea Watch: Rackete ist erleichtert - Salvini ärgert sich

Carola Rackete ist aus dem Hausarrest entlassen worden. Sie sieht in der Entscheidung einen Sieg für Flüchtlingshelfer. Der italienische Vize-Premierminister Matteo Salvini reagiert verärgert.

Die Kapitänin des Rettungsschiffs Sea-Watch 3, Carola Rackete, hat sich erleichtert über ihre Freilassung geäußert. Die Entscheidung der italienischen Richterin sei ein Sieg für die Solidarität mit allen Menschen auf der Flucht, erklärte die 31-jährige Deutsche.

"Ich war erleichtert über die Entscheidung der Richterin, die ich als großen Sieg für die #Solidarität mit allen Migrant*innen, einschließlich Flüchtenden und Asylsuchenden, und gegen die Kriminalisierung von Helfer*innen in vielen Ländern Europas betrachte", sagte #freeCarola

Die italienischen Vize-Premierminister, Matteo Salvini und Luigi Di Maio, reagierten verärgert und überrascht auf die Entscheidung des Ermittlungsrichters.

Lampedusa war der nächste sichere Hafen

Rackete war am Samstag festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden, weil sie die Sea-Watch 3 mit 40 Flüchtlingen an Bord unerlaubt in den Hafen der Insel Lampedusa gesteuert hatte. Die Festnahme der Kapitänin stieß vielfach auf Empörung. Nach Angaben von Sea-Watch betonte die Richterin, dass der Entschluss Racketes notwendig war, den Hafen von Lampedusa als nächsten sicheren Ort anzulaufen.

Organisationen und Politiker für Rackete

Die Organisationen Amnesty International und "Ärzte ohne Grenzen" reagierten erleichtert auf die Entscheidung des italienischen Gerichts. Katja Carson, stellvertretende Geschäftsführerin von "Ärzte ohne Grenzen" in Deutschland beklagte "eine gezielte Kriminalisierungskampagne gegen Seenotretter auf dem Rücken von Menschen in Lebensgefahr".

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, private Seenotrettung sollte überflüssig sein, Seenotrettung sei eine staatliche Aufgabe. Roth warf der Bundesregierung vor, sich hinter der Suche nach einer gesamteuropäischen Lösung zu verstecken, statt eine "Koalition der Willigen" zu schmieden und über eine eigene Seenotrettungsmission und einen Verteilmechanismus zu beraten.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kritisierte die Verhaftung der "Sea Watch 3"-Kapitänin. Lebensretter dürften nicht kriminalisiert werden.

Und bei all dem stellt sich die Frage: Interessiert uns die Retterin womöglich mehr, als die Geretteten - oder die, die nicht gerettet wurden? Dazu ein Kommentar von Nikolaus Nützel:

REDAKTION
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