Eingang des Straßburger Weihnachtsmarktes (Foto: picture-alliance / dpa)

Tote und Verletzte nach Schüssen in Straßburg Polizei fahndet nach mutmaßlichem Attentäter

Ein Attentäter hat in Straßburg vier Menschen getötet und 12 Personen verletzt. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht. Unter den Opfern sollen keine Deutschen sein.

Gegen 20 Uhr am Dienstagabend fielen die Schüsse in der Nähe des Weihnachtsmarktes in der Straßburger Altstadt. Nach Angaben des Pariser Antiterror-Staatswanwalts Rémi Heitz kamen bei dem Anschlag zwei Menschen ums Leben. Am Donnerstag stieg die Zahl der Toten auf drei. Eine weitere Person sei hirntot, sagte Heitz bei einer Pressekonferenz am Mittwochmittag. Zwölf Menschen wurden demnach verletzt, sechs davon sehr schwer. Zuvor sprachen Behörden von 14 Verletzten. Der Täter habe eine Handfeuerwaffe und ein Messer benutzt, sagte Heitz.

Bundesanwaltschaft nimmt Ermittlungen auf

Nach offiziellen Angaben sollen unter den Opfern keine Deutschen sein. Das teilte das Krisenreaktionszentrum der Bundesregierung mit. Am Donnerstag nahm die Bundesanwaltschaft im Fall des mutmaßlichen Attentäters Chérif C. Ermittlungen auf. Grund sei, dass bei dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt sechs Deutsche betroffen gewesen seien, auch wenn sie nicht verletzt wurden, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft dem Berliner Tagesspiegel. Gegen C. wurde ein Verfahren wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

Das Auswärtige Amt ergänzte seine Reisehinweise für Frankreich. Demnach werden Reisende gebeten, "besonders vorsichtig zu sein und den Anweisungen von Sicherheitskräften unbedingt Folge zu leisten".

Mutmaßlicher Täter wurde angeschossen

Nach dem Täter wird noch immer gefahndet. Nach Zeugenangaben soll er "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Er sei von patrouillierenden Soldaten angeschossen worden, konnte aber flüchten. Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen aufgenommen.

Bei dem Mann handele es sich um Chérif C., einen in Straßburg geborenen 29-jährigen Franzosen mit algerischen Wurzeln, sagte Antiterror-Staatsanwalt Heitz am Mittwoch in Straßburg. Er sei den Sicherheitsbehörden schon länger als Gefährder bekannt gewesen. C. sollte am Dienstagmorgen verhaftet werden, war jedoch nicht in seiner Wohnung, berichten mehrere französische Medien unter Berufung auf Polizeiquellen.

Sicherheitsbehörden gehen nach dpa-Informationen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter mit seinem 34-jährigen Bruder Sami auf der Flucht ist. Beide gelten demnach als islamistisch radikalisiert.

Granaten in Wohnung sichergestellt

Chérif C. wird demnach versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden unter anderem Granaten sichergestellt. Nach Angaben des Innenministers wurde er bereits wegen Delikten in Frankreich und in Deutschland verurteilt.

Das Amtsgericht Singen (Kreis Konstanz) habe ihn zu einer Gefängnisstrafe wegen schweren Diebstahls verurteilt, meldete die Deutsche Presse-Agentur. Zuvor sei er außerdem in Frankreich und der Schweiz wegen mehrerer Einbrüche zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Polizei verhört Bekannte des 29-Jährigen

Mehrere hundert Polizisten und Spezialkräfte suchen nach dem 29-jährigen mutmaßlichen Täter. Das französische Innenminsterium schickt weitere Polizisten nach Straßburg. Bislang seien fünf Personen, die Verbindungen zu dem Verdächtige haben sollen, verhört, teilte der stellvertretende französische Innenminister Laurent Nunez mit.

Polizei kontrolliert in Kehl

Die Bundespolizei in Baden-Württemberg warnte die Bevölkerung am Mittwoch vor einem Grenzübertritt. "Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl", schrieben die Behörden auf Twitter und begründeten dies mit der laufenden Fahndung nach dem Täter.

An dem Grenzübergang kontrolliert die Polizei Autos, die von Straßburg aus kommen. Auf der Brücke über den Rhein staute sich am Mittwoch der Verkehr. Die Straßenbahn-Verbindung über die Grenze wurde zwischenzeitlich eingestellt.

Krisentreffen in Paris

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron berief noch in der Nacht des Anschlags in Paris eine Krisensitzung ein.

Auf Twitter drückte Macron am Mittwoch seine Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen aus:

Es wurde die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Das Innenministerium ordnete verschärfte Kontrollen an den Grenzen und auf Weihnachtsmärkten an.

Innenstadt wurde abgeriegelt

Die Polizei riegelte nach dem Anschlag Teile der Innenstadt ab. Auch das Europaparlament war betroffen. Niemand durfte das Gebäude verlassen. Mitarbeiter schliefen zunächst in Büros. Erst im Laufe der Nacht durften sie nach Hause.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt ist einer der ältesten und größten in Europa. Er gilt seit längerem als potentielles Anschlagsziel und wird deswegen verstärkt von der Polizei überwacht. Heute bleibt er wegen des Anschlags geschlossen.

REDAKTION
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