Schüler demonstrieren bei Fridays for Future (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)

Schüler-Protestbewegung fürs Klima Pro und Contra: Schulpflicht bei "Fridays for Future" egal?

Hunderte Jugendliche wollen heute wieder für besseren Klimaschutz demonstrieren - wenn sie eigentlich in der Schule sitzen müssten. Zwei SWR-Kollegen erläutern, warum sie das gut oder schlecht finden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Anfang des Monats gesagt, dass sie das Engagement der Schüler bei den Fridays for Future unterstützt. Auf die missachtete Schulpflicht ging sie nicht ein. - Wegen der Schulpflicht ein Auge zudrücken, empfiehlt ein SWR-Redakteur aus dem Hauptstadtstudio. Sein Kollege ist dagegen und hat einen Alternativorschlag für die demonstrierenden Schüler.

Pro: Politikern ist anscheinend egal, was Jugendliche bewegt

Von Christopher Jähnert, SWR-Hauptstadtstudio

SWR-Hauptstadtkorrespondent Christopher Jähnert (Foto: SWR)
SWR-Hauptstadtkorrespondent Christopher Jähnert

Immer mehr Schüler gehen freitags auf die Straße, um zu demonstrieren. Und warum? Um zu sagen: Hört uns bitte mal zu, es geht um unsere Zukunft. Und auf diese Klimapolitik haben wir keine Lust mehr.

Aber dann gibt es da auch Leute wie FDP-Chef Christian Lindner. Er sagt, dass Kinder und Jugendliche das Ganze ja gar nicht überblicken könnten. Das sei etwas für Profis. Davon abgesehen, dass sich mittlerweile auch tausende Wissenschaftler angeschlossen haben, also die Profis. Auch die Bildungsministerin sagt, dass die jungen Leute doch lieber zur Schule gehen sollen.

Aber mal ehrlich: Wenn zum Beispiel die Busfahrer streiken, dann tun sie das doch auch nicht nach Feierabend. Und warum? Weil es dann keinen interessieren würde. Und so ist das auch hier.

Die Äußerungen der Politiker zeigen doch sehr deutlich, wie weit entfernt die Politik wirklich von jungen Menschen ist. Und wie egal das vielen Politikern anscheinend ist, worüber sich junge Menschen Sorgen machen. Über Politikverdrossenheit braucht sich da jedenfalls niemand mehr zu wundern.

Contra: "Schulpflicht ist keine Frage von Lust und Laune"

Von Uwe Lueb, SWR-Hauptstadtstudio

SWR-Hauptstadtkorrespondent Uwe Lueb (Foto: SWR)
SWR-Hauptstadtkorrespondent Uwe Lueb

Wenn sich junge Leute Gedanken machen über die Zukunft und dafür sogar auf die Straße gehen, ist das toll. Ohne Frage. Aber doch bitte nicht während der Unterrichtszeit. Bei allem Zuspruch aus der Politik - noch hat sich da niemand gefunden, die oder der findet, dass man für die Freitags-Demos getrost den Unterricht schwänzen kann. Wenn Sie etwa für mehr Umweltschutz demonstrieren wollen, können Sie auch nicht einfach Ihre Arbeit liegen lassen und sagen "ich bin dann mal weg".

Bei aller Sympathie für die Schülerdemos: Schulpflicht ist keine Frage von Lust und Laune. Wer arbeitet und mit seinen Steuern das teure Bildungsangebot in Deutschland finanziert, hat ein Recht darauf, dass es ernst genommen wird.

Ein Letztes, liebe Schülerinnen und Schüler: Wenn ihr wirklich was erreichen wollt, werdet viele. Umgerechnet kommen zu euren Demos nicht mal zehn Schüler pro Schule. Da wäre weniger mehr: Eine Großdemo einmal im Monat samstags würde öffentlich mindestens genauso wahrgenommen.

ONLINEFASSUNG
STAND