"Sea-Watch 3" beschlagnahmt - Kapitänin Rackete verhaftet (Foto: Reuters)

Schiff beschlagnahmt "Sea-Watch 3"-Krimi: Flüchtlinge gehen an Land - Kapitänin Rackete verhaftet

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Mehr als zwei Wochen lang wollte kein Land die 40 Flüchtlinge vom Rettungsschiff "Sea-Watch 3" aufnehmen. Dann legte die deutsche Kapitänin Carola Rackete trotzdem – ohne Erlaubnis – im Hafen von Lampedusa an. Kurz darauf wurde sie verhaftet und unter Hausarrest gestellt.

Die sizilianische Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Kapitänin die Unterstützung von Menschenhändlern vor und leitete Ermittlungen ein. Ein Sprecher von Sea-Watch erklärte, Rackete habe sich streng an internationales Recht gehalten.

Außenminister Heiko Maas (SPD) kritisierte auf Twitter die Festnahme der 31-jährigen Deutschen. Menschenleben zu retten sei eine "humanitäre Verpflichtung". Er forderte die italienische Justiz auf, die Vorwürfe gegen Rackete schnell aufzuklären.

Grünen-Chef Robert Habeck ist empört über die italiensiche Regierung, wie SWR-Hauptstadtkorrespondent Dirk Rodenkirch im Audio berichtet:


Erlösende Nachricht am Morgen

Am frühen Morgen kam für die verbliebenen 40 Flüchtlinge die erlösende Nachricht: Nach über zwei Wochen durften sie das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" in Lampedusa bei Sonnenaufgang verlassen. In den Stunden davor hatte der Krimi um das Rettungsschiff seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

„Niemand hört uns zu. Niemand übernahm Verantwortung“

🔴 Basta! In diesem Moment fährt die #SeaWatch3 in den Hafen von #Lampedusa. Vor fast 60h riefen wir den Notstand aus. Niemand hörte uns zu. Niemand übernahm Verantwortung. Einmal mehr ist es an uns,an Cpt. #CarolaRackete und ihrer Crew die 40 Geretteten in Sicherheit zu bringen. https://t.co/GcttCaJS3o

Trotz des Verbots der italienischen Behörden die kleine Mittelmeerinsel anzulaufen, hatte sich die vor Lampedusa liegende "Sea-Watch 3" um 1:15 Uhr in Bewegung gesetzt. 45 Minuten später lag das Schiff im Hafen.

Deutscher Kapitänin Rackete droht Haft

Die italienischen Sicherheitskräfte wurden von den Manöver offenbar überrascht. Erst im letzten Moment versuchte ein kleines Boot der Finanzpolizei das Festmachen des Schiffes zu verhindern.

In einer ersten Reaktion auf den Überraschungscoup der deutschen Kapitänin Carola Rackete, schrieb Italiens Innenminister Matteo Salvini, Rackete habe das Leben der Beamten der Finanzpolizei aufs Spiel gesetzt. Und meint damit eine kurze Szene beim Anlegen im Hafen von Lampedusa, als das Polizeiboot kurz zwischen Hafenmauer und Rettungsschiff eingeklemmt wurde. 

Carola Rackete habe „einem Kriegsschiff Widerstand geleistet und damit gegen die Schifffahrtsordnung verstoßen“. Sollte dies wirklich zutreffen, müsste die 31-Jährige mit einer Gefängnisstrafe zwischen drei und zehn Jahren rechnen. Darüber hinaus wird der Kapitänin unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung vorgeworfen.

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation wurde nach dem unerlaubten Anlegen beschlagnahmt.

Wer nimmt die Flüchtlinge auf?

Seit Jahren streiten die EU-Länder über einen Mechanismus zur Verteilung der Bootsflüchtlinge. Deutschland und andere Länder hatten sich bereit erklärt, die Schutzsuchenden aufzunehmen. Italiens Innenminister Matteo Salvini verlangte entsprechende „Garantien“ der aufnahmebereiten Länder – ohne diese dürften die Migranten nicht von Bord gehen. Mit dem Einlaufen in den Hafen hatte Kapitänin Rackete vollendete Tatsachen geschaffen.

Kapitänin wird zur Symbolfigur

Die 31-jährige Deutsche ist zu einer landesweit bekannten Symbolfigur geworden, die auf Konfrontationskurs mit Innenminister Matteo Salvini ist. So heißt es „Capitana gegen Capitano“ – in Anspielung auf einen Spitznamen des Rechtsaußenpolitikers.

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