Deutsche Ermittler nehmen zweitgrößten Darknet-Handelsplatz vom Netz (Foto: SWR)

Kampf gegen Internetkriminalität BKA und FBI nehmen Darknet-Handelsplatz vom Netz

Deutsche Ermittler haben den weltweit zweitgrößten Darknet-Handelsplatz mit mehr als einer Million Nutzern vom Netz genommen. Das geht aus Informationen hervor, die dem SWR exklusiv vorliegen. Ein Verdächtiger kommt aus Baden-Württemberg.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Staatsanwältin Julia Bussweiler von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Frankfurt am Main bestätigte dem SWR: "Der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist es gelungen, die Betreiber der weltweit zweitgrößten Darknet-Handelsplattform zu identifizieren."

Drei Deutsche verdächtigt

Dabei handele es sich um drei deutsche Beschuldigte, die mittlerweile festgenommen worden seien und sich in Untersuchungshaft befänden. Nach monatelangen Ermittlungen des Bundeskriminalamts verdichteten sich die Hinweise auf drei junge Deutsche: Ein 22-Jähriger aus Kleve, ein 31-Jähriger aus Bad Vilbel und ein 29-Jähriger aus Esslingen am Neckar.

"Die drei Administratoren haben mit dem Betrieb der Plattform Geld verdient", erklärt Staatsanwältin Bussweiler. "Es gab sogenannte Provisionen und damit haben sie nicht unerhebliche Einnahmen zu verzeichnen gehabt."

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"Nicht unerhebliche Einnahmen" durch "Wall Street Market"

Rund 1,1 Million Nutzer waren auf der Plattform "Wall Street Market" aktiv. Die Verkehrssprache war zwar Englisch, man konnte aber auch Deutsch als Sprache wählen – für die Ermittler ein erster Hinweis auf mögliche deutsche Täter.

Zwei bis sechs Prozent sollen sie jeweils von den Transaktionen einbehalten haben – mehrere hunderttausend Euro seien so zusammengekommen. Zuletzt hatten 5.400 Nutzer sich als Vendor, also als Verkäufer registriert. 63.000 Angebote zu Drogen, aber auch zu gestohlenen Kreditkartendaten und Schadsoftware für weitere Cybercrimeangriffe standen bei "Wall Street Market" online.

Waffen und Kinderpornografie verboten

Offenbar hatten die Betreiber vor allem ihren eigenen Profit im Sinn, denn Waren, bei denen das Risiko der Strafverfolgung noch höher ist als bei Drogen, ließen sie nicht zu: "Es gab schriftliche Vorgaben dazu, welche Dinge auf dieser Plattform verboten waren und dazu zählten unter anderem Waffen, aber auch beispielsweise Kinderpornografie."

Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Administratoren vor allem die Beihilfe zum Drogenhandel vor - ein juristischer Umweg, denn bisher ist das reine Betreiben einer solchen Plattform noch nicht strafbar. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wird seit vergangenem Herbst im Bundesrat diskutiert.

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