Die Ergebnisse einer SWR-Messaktion zeigen: Es ist an vielen Orten im Südwesten zu laut (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

SWR-Messaktion #zuLaut Greenpeace fordert: Höchstgeschwindigkeit muss gesenkt werden

Das Ergebnis der SWR-Messaktion zeigt ein erschreckendes Bild: Viele Menschen sind einer gesundheitsschädigenden Lärmbelastung durch den Straßenverkehr ausgesetzt. Die Autohersteller sehen sich jedoch nicht in der Verantwortung - schuld seien die Autofahrer.

Es ist zu laut: So lässt sich wohl das Ergebnis der SWR-Messaktion zusammenfassen. Insgesamt hatte der SWR an 25 Orten mit kalibrierten Messgeräten jeweils zwei Wochen alle 40 Sekunden den Schallpegel gemessen.

Bei 15 von 25 Messungen lag der Großteil der Schallpegel über den von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen maximal 53 dB(A) tagsüber und 45 dB(A) nachts.

Dauer

Nicht nur Motor - auch Fahrbahn und Reifen sorgen für Lämbelastung

Der ADAC fordert auf Nachfrage des SWR: Bei der Typzulassung neuer Fahrzeugmodelle sowie von Anbauteilen (wie Spotauspuffanlagen) sollte eine strengere und realitätsnähere Lärmprüfung vorgenommen werden.

Denn: Wer Verkehrslärm eindämmen wolle, müsse an vielen Punkten ansetzen, so der ADAC. Nicht nur der Motor sorge für Lärm - auch Reifen und Fahrbahn könnten zu einer Geräuschbelastung werden. Auf Autobahnen könne durch offenporige Fahrbahnbeläge der Geräuschpegel reduziert werden. Auch innerorts könnten durch lärmarme Straßenbeläge Verbesserungen erzielt werden.

Autohersteller: Nicht das Fahrzeug, sondern der Kunde ist schuld

Die Autoindustrie sieht die Lärmbelastung nicht beim Fahrzeug - sondern beim Fahrer. In einer SWR-Umfrage betonen die Hersteller, sie würden sich an Gesetze und Richtlinien halten. Ford schreibt zum Beispiel: "Tatsächlich hängt das Fahrgeräusch auch vom Nutzerverhalten ab."

Audi und Volkswagen verweisen auf das Klangbild des Motors, das ein wichtiges Charaktermerkmal für den Kunden sei. Daimler bezeichnet einen emotionalen und modellspezifischen Motorenklang als ein Markenzeichen für Mercedes-AMG Modelle.

BMW macht einen überraschenden Lösungsvorschlag: "Eine gezieltere Fahrerausbildung in Bezug auf umweltfreundliches Verhalten sowie eine schärfere Regulierung gegen die hohe Anzahl nicht zugelassener Abgasanlagen stellen aus unserer Sicht die zielführendsten Maßnahmen dar."

Greenpeace fordert "Verkehrswende"

Greenpeace kritisiert die Autohersteller auf SWR-Anfrage scharf. Diese könnten leisere Autos bauen, würden dies aber nicht tun: "Im Gegenteil: Sie missbrauchen schwache gesetzliche Vorgaben ganz gezielt , um besonders laute Autos zu konstruieren. Die Hersteller setzen die Gesundheit tausender Menschen aufs Spiel, damit sie ihren Modellen einen "charakteristischen Motorsound" verpassen können."

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit solle auf 30 km/h inner- und 80 km/h außerhalb von Ortschaften gesenkt werden, so Greenpeace. Die Organisation fordert eine "Verkehrswende": Der Umstieg von Diesel- und Benzin- auf leisere Elektromotoren schütze das Klima und den Menschen vor Lärm.

REDAKTION
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