Hans Leyendecker (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Präsident des Evangelischen Kirchentags Leyendecker: Erde nicht zerbeult an nächste Generation geben

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In knapp zwei Wochen beginnt der Evangelische Kirchentag in Dortmund. Dessen Präsident Hans Leyendecker spricht im SWR-Interview der Woche über Demokratie, soziale Klimapolitik, Journalismus, Vertrauen und verteidigt den Ausschluss von AfD-Vertretern.

Mit dem Motto "Was für ein Vertrauen" wollen die Veranstalter Gottvertrauen beweisen und zugleich "Schwarzmalern" zeigen, "dass Dinge gehen". Man müsse auch nach Lösungsansätzen für schwierige Probleme suchen, so Leyendecker.

Direkte politische Forderungen wolle das Großtreffen vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund nicht stellen. Der Kirchentag sei, so der langjährige Journalist Leyendecker, "kein Politforum, wo man am Ende eine Forderung hat“. Es werde jedoch, wie seit 50 Jahren üblich, wieder Resolutionen geben, vor allem auch "gegen Rassisten und Hetzer in diesem Land".

Schutz vor Datenkonzernen

Zum Vertrauen heute gehöre einerseits, dass der Staat seine Bürgerinnen und Bürger besser und konsequenter vor großen Datenkonzernen schützt. Für den investigativen Journalisten Leyendecker ist "die noch größere Aufgabe, dass sich die Menschen nicht offenbaren".

Wenn Kinder beispielsweise im Netz all das hinterlassen, was sie denken, wer werde später darauf Zugriff haben und beispielsweise in einem Einstellungsgespräch darauf zu sprechen kommen. "Wir liefern uns da Risiken aus, die wir nie eingehen dürften", sagt Leyendecker. Das sei nicht nur Aufgabe des Staates, sondern auch die eines jeden.

Neue Visionen für die Gemeinschaft

Zur Demokratie gehöre auch die Kontrolle, aber die Gesellschaft dürfe sich nicht so zerlegen und zerteilen. "Es fehlt so was wie eine gemeinsame Orientierung derzeit.", so Leyendecker. Es gebe zu wenig Orientierungspunkte. "Die Schwachen suchen sich noch Schwächere, um sich an denen abzureagieren, die Elitären sind elitär."

Es seien neue Visionen nötig, "die man als Gemeinschaft wieder anpacken kann". Leyendecker erinnerte an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg oder an die "68er". Zur Spaltung der Gesellschaft trage auch die Digitalisierung bei. "Und das ist nicht gut für uns“, sagt er.

In der Klimapolitik fordert der Präsident des Evangelischen Kirchentags ein schnelleres Vorangehen. Man müsse mehr tun und die Klimapolitik sozialverträglich gestalten. Da werde die Politik auch lernen. Leyendecker wörtlich: "Menschen begreifen das, dass man nur die eine Erde hat und dass sie nicht zerbeult der nächsten Generation übergeben werden darf."

Kein AfD-Vertreter auf dem Podium

Vor allem sei der Kirchentag "kein Resonanzboden irgendeiner Partei". Er verteidigte Leyendecker den Beschluss des Kirchentagspräsidium, "dass AfD-Repräsentanten auf kein Podium kommen". Generell lade der Kirchentag keine Parteienvertreter ein, "sondern Menschen, die für die Diskussion wichtig sein können.“

Jedoch seien Wähler und Sympathisanten zum Gespräch eingeladen. Dabei sei es wichtig zuzuhören, "warum Leute der AfD folgen". Die Teilnahme von AfD-Vertretern im Programm wäre auch "ein Schlag ins Gesicht derer, die den Kirchentag gegründet haben, um eben zu zeigen, dass man Widerstand leisten muss" gegen Hetze und Rassismus.

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