Fertigfrikadellen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / dpa Themendienst)

Rückruf von Fertigfrikadellen Was Listerien so gefährlich macht

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Die Fleisch-Krone Feinkost GmbH hat Frikadellen wegen des Verdachts auf Listerien zurückgerufen - wenige Wochen nach dem Fall Wilke. Wie gefährlich sind Listerien? Und bei welchem Lebensmittel müssen Verbraucher besonders aufpassen?

Im Corned Beef, in der Knackwurst, im Ziegenkäse und nicht nur da: Listerien sind überall. Sie sind Bakterien einer Gattung, die in vielen Tieren und im Boden lebt. Jeder nimmt tagtäglich Listerien auf.

In der Regel werden sie von der Magensäure aber unschädlich gemacht. Zur Listeriose - einer Infektionskrankheit - kommt es nur, wenn viele Keime an einem Lebensmittel sind oder wenn der, der sie isst, ein schwaches Immunsystem hat.

Sieben Prozent der gemeldeten Infektionen enden tödlich

Die Listeriose ist in der Regel nicht so einfach zu erkennen, denn sie beginnt wie ein grippaler Infekt. In schweren Fällen kommen Blutvergiftung und Hirnhautentzündung dazu. Deshalb enden sieben Prozent der gemeldeten Infektionen tödlich, schreibt das Robert-Koch-Institut.

Tendenz steigt

Viele leichtere Fälle werden aber nicht gemeldet, deshalb ist auch die Statistik mit Vorsicht zu genießen. Demnach schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr stark, allerdings gibt es eine steigende Tendenz.

2018 wurden 700 Fälle gemeldet

Im vergangenen Jahr wurden 700 Fälle gemeldet. Mit Hilfe von molekularbiologischen Tests lassen sich bestimmte Erregerstämme heutzutage recht gut einer Quelle zuordnen. Das hat im Fall der Wilke-Wurst Erfolg gehabt und jetzt wohl auch bei den Fertig-Frikadellen aus dem Kreis Vechta.

Das zeigt: Oft hält sich der Keim in einem Unternehmen über längere Zeit. Und je nachdem, wie hygienisch oder eben unhygienisch da gearbeitet wird, geraten mehr oder weniger Erreger in die Produkte.

Tödliche Infektionen: Schweinezunge, Harzer Käse, Röllepölser

Das führt immer wieder zu Ausbrüchen von Listeriose mit schlimmen Folgen: 1992 starben fast 100 Menschen in Frankreich an einer Charge Schweinezunge in Aspik. In Deutschland und Österreich starben 2010 acht Menschen an verdorbenem Harzer Käse. 2014 zwölf Dänen an der dort populären Würstchenvariante Röllepöllser.

Vor allem Fisch belastet

Seit 2005 gibt es einen EU-Grenzwert für Listerien-Belastungen: 100 Keime pro Gramm. Bei Babynahrung gilt Nullbelastung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat untersucht, dass vor allem Fisch kritisch sein kann: 10 Prozent der Ware war da mit Listerien belastet, 1,7 Prozent der Proben lagen über dem Grenzwert.

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