Unterlagen der früheren Staatssicherheit der DDR (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Roland Jahn, Beauftragter für Stasi-Unterlagen Von Freunden verraten - Warum wurden Menschen Stasi-Mitarbeiter?

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Roland Jahn, der Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, sieht den Einblick in seine eigenen Stasi-Unterlagen insgesamt als Gewinn. Er musste bei diesem Einblick aber auch persönliche Enttäuschungen erleben.

Es habe Freunde gegeben, die ihn verraten hätten, sagte Roland Jahn im SWR: "Dadurch konnte ich die guten von den falschen Freunden unterscheiden." Dennoch müsse jeder selbst entscheiden, ob er wirklich Akteneinsicht beantrage: "Wir weisen schon auch darauf hin, welche Möglichkeiten der Erkenntnis es gibt." Dabei könnten die Antragsteller auch psychosozial betreut werden.

Geld oder Überzeugung - Warum wurden Menschen Stasi-Mitarbeiter?

Die Stasi-Unterlagen lieferten aber nicht nur denjenigen wichtige Erkenntnisse, die unter den Machenschaften der Staatssicherheit gelitten hatten. Auch die Forschung kommt nach Ansicht Jahns voran: "Es geht auch darum, ein differenziertes Bild zu entwickeln über die Menschen, die sich auf dieses System eingelassen haben. Warum wird jemand zum hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter, und warum verstrickt er sich in diesem Geflecht als inoffizieller Mitarbeiter".

Wichtig sei es, genau hinzuschauen, ob Menschen aus Überzeugung oder wegen des Geldes gehandelt hätten - oder ob sie vielleicht erpresst worden seien.

Auch heute noch Fragen offen

30 Jahre nach dem Mauerfall wüssten wir auch heute noch nicht alles, was die Stasi getan habe, so Jahn: "Aber viele Menschen konnten in die Akten schauen, die die Stasi über sie angelegt hat. Das waren über zwei Millionen Anträge, die wir bearbeitet haben. Und viele Menschen haben erkannt, wie sehr die Stasi in ihr Leben eingegriffen hat." Dadurch sei es den Menschen gelungen, einen Teil ihrer gestohlenen Selbstbestimmung zurückzuerobern.

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