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Religionsunterricht reformieren. Ein Kommentar Glaubensspaltung im Klassenzimmer

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Dass sich Schüler nicht mehr von katholischer und evangelischer Kirche unterrichten lassen wollen, kann Martin Rupps verstehen. Am Religionsunterricht will er aber festhalten - in anderer Form.

Die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz (LSV) fordert die Abschaffung des Religionsunterrichts. Er widerspreche der Trennung von Staat und Kirche. An die Stelle des Pflichtfachs Religion beziehungsweise Ethik soll eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft treten, die über verschiedene Religionen und Weltanschauungen informiert.

Die rheinland-pfälzische Schülervertretung will den Religions- und Ethikunterricht als Pflichtfach abschaffen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Schülervertretung will Religion aus dem Fächer-Kanon streichen Picture Alliance

Die Forderung ist nicht neu, erscheint mir aber verständlich. Nach dem schäbigen Umgang der christlichen Kirchen mit ihren Missbrauchsopfern ist ihre moralische Glaubwürdigkeit dahin. Schüler wollen nicht mehr von Institutionen weltanschaulich belehrt werden, die oft nur widerwillig die eigenen Täter zur Verantwortung ziehen und zögerlich Abbitte bei Opfern leisten.

Trotzdem geht mir die Forderung der Schüler zu weit. Das Versagen der Kirchenfürsten ist das eine, die Kraft der christlichen Botschaft das andere. Sie bleibt die Grundlage unserer Kultur und Leitschnur für ein friedliches Zusammenlebens. Ob wir die Gebote christlich nennen oder nicht, spielt keine Rolle. Um das Erlernen sozialer Spielregeln kommen wir nicht herum.

Für einen neuen Religionsunterricht

Ich plädiere für ein neues, gemeinsames Unterrichtsangebot von katholischer und evangelischer Kirche. Dieses Angebot rückt das Christsein in den Mittelpunkt. Es ginge noch mehr um Werte und noch weniger um Etikette.

Ein ökumenischer Religions- bzw. weltanschaulich neutraler Ethikunterricht muss verpflichtend bleiben. In einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft bleiben immer die Falschen weg.

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