Medizinstudenten (Foto: picture alliance/imageBROKER)

Reform der Zugangsregelung zum Medizinstudium Mehr Numerus Clausus, aber auch mehr Quereinstieg

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Abiturnoten werden beim Zugang zum Medizinstudium noch wichtiger. Allerdings sollen auch Quereinsteiger bessere Chancen bekommen.

Die Wissenschaftsminister der Länder haben sich in dem Entwurf eines Staatsvertrags darauf geeinigt, die Zulassung zum Medizinstudium zu reformieren. Welchen Erfolg das Ganze verspricht, dazu eine Einschätzung von Wissensredakteurin Anja Braun.

Die wichtigste Neuerung ist, dass Talent und Eignung bei den kommenden Bewerbern fürs Medizinstudium tatsächlich stärker gewichtet werden. Endlich!

Bei der Eignungsquote haben alle eine Chance

Zehn Prozent der Studienplätze werden in Zukunft bundesweit über diese Eignungsquote vergeben. Hier haben alle Abiturienten eine Chance - egal mit welcher Note. Denn zum Zug kommen sollen nur schulnotenunabhängige Kriterien. Eines davon ist zwingend ein fachspezifischer Eignungstest. Die anderen Kriterien stehen leider noch nicht fest. Schade, hier haben die Kultusminister mit Platzhaltern gearbeitet - wohl um das Bundesverfassungsgericht vorerst zufrieden zu stellen. Es bleibt also spannend wie diese zehn Prozent der künftigen Ärzte tatsächlich ausgesucht werden.

Einser-Abi: Von 20 auf 30 Prozent angehoben

Doch auch die Abiturbestenquote - also die Zahl derjenigen, die über ein Einserabitur ins Medizinstudium kommen - wird von bisher 20 Prozent auf nun 30 Prozent angehoben. Hintergrund ist, dass die Abiturnote immer noch der beste Vorhersagefaktor für einen späteren Studienerfolg ist. Und der ist schließlich wichtig, so die Kultusminister.

Abitur der verschiedenen Bundesländer wird verschieden gewertet

Dann aber wird es interessant. Um die länderspezifischen Unterschiede in den Abiturnoten auszugleichen, werden Prozentränge in den einzelnen Bundesländern gebildet. Das bedeutet, die Bewerber werden an ihren Mitbewerbern aus dem eigenen Bundesland gemessen. Kommen sie hier mit ihrer Abinote in die Top 1 Gruppe, sind sie dabei. Das ist nur fair, denn es gibt in einigen Bundesländern deutlich häufiger die Abinote Eins als in anderen. Diese Regelung soll übrigens solange gelten, bis alle Bundesländer vergleichbare Abiturprüfungen schreiben lassen.

Warten nützt nichts mehr

Abgeschafft wird die unsägliche Wartefrist. Zuletzt hatten Bewerber mehr als sieben Jahre auf einen Medizinstudienplatz gewartet. Warten alleine ist aber wirklich keine hinreichende Befähigung für den Arztberuf. Diejenigen, die bereits in der Warteschleife sind, haben eine zweijährige Übergangsfrist. Dann ist aber endgültig Schluss.

Hochschulen vergeben weiter 60 Prozent selbst

Wer es über die ersten zentral vergebenen 40 Prozent der Studienplätze nicht an die Uni geschafft hat, der kann sich wie bisher direkt an den Hochschulen bewerben. In Zukunft haben auch dort Bewerber mit schlechterem Abi bessere Chancen, wenn sie ihre Eignung zum Arztberuf anders nachweisen können.

Unis müssen Bewerber genauer checken

Die Hochschulen selbst dürfen 60 Prozent der Medizin-Studienplätze vergeben. Das war bisher schon so, nur haben es sich viele Hochschulen bequem gemacht und ihre Studierenden auch nur nach der Abiturnote ausgewählt. Das geht nun nicht mehr. In Zukunft müssen die Unis ihre Bewerber genauer checken. Sie müssen einen Mix aus Noten und anderen Kriterien anlegen. Mindestens zwei Kriterien müssen Notenunabhängig sein. Das können zum Beispiel praktische Erfahrungen wie zum Beispiel die Tätigkeit als Rettungssanitäter sein oder individuelle Auswahlgespräche.

Mehr Chancen, aber auch mehr Unübersichtlichkeit

In Zukunft können sogar Bewerber ohne Abitur Medizin studieren, denn das kann durch Landesrecht geregelt werden. Die Bundesländer können aber auch andere Schwerpunkte setzen. Zum Beispiel schon bei den Studienbewerbern nach solchen suchen, die später Hausarzt werden wollen. Das hat zum Beispiel Baden-Württemberg vor. Für einen Teil der Studienplätze will dort Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) Studierende herauspicken, die Fähigkeiten und Interesse für eine spätere Hausarztpraxis mitbringen. Alle Bundesländer könnten so nach ihrem Bedarfen Mediziner ausbilden. Für die Studienbewerber bedeutet das mehr Chancen, aber auch eine deutlich größere Unübersichtlichkeit der Wege zum Medizinstudium.

Grundübel bleibt: zu wenig Studienplätze

Das Grundübel, dass die Zahl der Medizinstudienplätze schrumpft, obwohl die Gesellschaft nach immer mehr Medizinern verlangt, wird dadurch aber nicht behoben. Studieninteressierte gibt es genug. Pro Jahr bewerben sich 43.000 junge Menschen auf die insgesamt 9.000 Medizinstudienplätze in Deutschland.

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