Ein Schaufelradbagger trägt Braunkohle in der Lausitz ab. (Foto: dpa Bildfunk)

Reaktion auf Bericht der Kohlekommission Kohleausstieg: Richtig oder falsch?

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Der Kompromiss zum Kohleausstieg wird weiter heftig diskutiert. Der Energieversorger RWE warnt vor "signifikantem Stellenabbau", das DIW kritisiert Entschädigungszahlungen an Kohlekraftwerksbetreiber. Klimaschützern geht es zu langsam.

Im politischen Berlin ist der Kohleausstieg das Thema Nummer Eins. Die frisch gewählte FDP-Spitzenkandidatin zur Europawahl, Nicola Beer, sagte, statt des Ausstiegs müsse man "andere Instrumente" nehmen, um den Klimawandel abzumildern.

Das Geld, das die Kohlekommission jetzt hier investieren wolle, solle besser in Aufrüstungsmaßnahmen in anderen Ländern investiert werden, sagte sie im SWR Tagesgespräch. Hier könne man größere Erfolge für das Klima erreichen.

"Überzeugungsarbeit bei der Union"

Die SPD hingegen sieht weiteren Handlungsbedarf. SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch forderte in SWR Aktuell, den Stromanteil an erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65 Prozent auszubauen: "Da müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit bei CDU/CSU leisten."

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Außerdem forderte Miersch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf, den Ausbau von Offshore-Windparks voranzutreiben. Die bisherigen Deckelungen in diesem Bereich müssten korrigiert werden.

Altmaier wiederum sagte im "Bericht aus Berlin". Man sei im Stande, "ganz vieles möglich zu machen". Das Geld für den Kohleausstieg stehe bereit:

"Signifikanter Stellenabbau" bei RWE

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sagte der "Rheinischen Post", er könne zwar noch keine Zahl nennen. Er rechne aber mit Stellenstreichungen bis 2023, die weit über die bisherigen Planungen hinausgingen. Das könne durch normale Fluktuation nicht aufgefangen werden. Betroffen seien vor allem die Mitarbeiter der zu schließenden Kraftwerke, später aber auch Beschäftigte im Tagebau.

Die Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kritisierte mögliche Entschädigungszahlungen für die Kraftwerksbetreiber. Statt in "Kohleabwrackprämien" sollte besser in innovative Energiewende-Projekte investiert werden, sagte Kemfert der "Passauer Neuen Presse".

Für den Klimaforscher Mojib Latif sind die Vorschläge der Kohlekommission unzureichend. Der Ausstieg bis 2038 komme zu spät, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten, "wäre ein Ausstieg bis 2030 wünschenswert", befand der Professor vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Hauptstadtkorrespondent Alfred Schmit kommentiert im Video den Kohlekompromiss und zieht den Vergleich zum Ausstieg aus der Atomenergie.

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Lob und Kritik auch in den Zeitungen

Die Kommentarspalten der Montagsausgaben sind ebenfalls voll mit dem Thema - hier eine kleine Auswahl:

Münchner Merkur: "Erst Atom, jetzt Kohle: Mit dem Doppelausstieg wagt die viertgrößte Industrienation der Welt ein riskantes Experiment."

Mannheimer Morgen: "Es ist bisher unklar, wie und ob erneuerbare Quellen den deutschen Strombedarf decken können. Die Versorgung muss unabhängig von Sonne und Wind sichergestellt sein, und zwar nicht nur für Haushalte, sondern auch für die Industrie."

Frankfurter Neue Presse: "Der Vorschlag der Kohlekommission ist ein ausgewogener Kompromiss. Es ist wichtig, dass wir die Kohleverstromung beenden, um den Klimawandel zu begrenzen."

Westfälische Nachrichten: "Für die Qualität des Beschlusses der Kohlekommission spricht vor allem eines: Die Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Nach Meinung der Umweltschützer kommt der Ausstieg bis zum Jahr 2038 viel zu spät. Vertreter der Wirtschaft kritisieren das Ausstiegstempo als 'harten Schlag'."

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