Senior vor PC-Bildschirm (Foto: SWR)

Pro und Contra zur Rentenreform Brauchen wir ein höheres Renteneintrittsalter?

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Die Bundesbank schlägt im Rahmen der Rentenreform vor, das Rentenalter auf über 69 Jahre anzuheben. In der SWR-Wirtschaftsredaktion gehen die Meinungen dazu auseinander.

Pro höheres Renteneintrittsalter

Dauer

Ja, ich finde den Vorstoß der Bundesbank richtig. Später in die Rente, nur so kann es funktionieren. Länger arbeiten, das ist eine Frage der Gerechtigkeit zwischen Alt und Jung. Die Deutschen bekommen weniger Kinder und leben länger – also gibt es immer mehr ältere Menschen. Für wie viele Rentner kann jemand mitten im Arbeitsleben bezahlen? Eineinhalb, zwei, drei? Das sollten wir nicht ausprobieren, sondern vorher gegensteuern.

Es hilft nichts, die Älteren müssen mit ran. Viele wollen ja gebraucht werden! Warum schicken wir heißbegehrte Fachkräfte nach Hause? Und das im Schnitt für 20 Jahre! Doppelt so lange wie 1960! Und das zahlen dann die Jungen – per Rentenbeitrag oder Steuergeld! Wer kriegt denn noch drei, vier Kinder, wenn das Geld hinten und vorn nicht reicht? Ja, die heute Jungen müssten etwas länger arbeiten – aber sie hätten trotzdem lange genug etwas von der Rente und sie könnten sich darauf einstellen.

Ja, ein Allheilmittel ist der Vorstoß nicht – die Rente auf einen Schlag zu retten, wäre aber nun wirklich zu viel verlangt. Die, die hart schuften und früh nicht mehr können, brauchen flexible Lösungen. Aber für viele ist etwas länger arbeiten durchaus ein guter Vorschlag. Er muss eben auch gut umgesetzt werden. Wenn jede Überlegung gleich abgebügelt wird, passiert nämlich gar nichts!

Contra höheres Renteneintrittsalter

Dauer

Ja, das deutsche Rentensystem ist kaputt. Und wir müssen es reparieren. Aber doch bitte nicht dadurch, dass wir immer noch und noch und noch länger arbeiten, um wenigstens noch ein bisschen mehr Geld in die klammen Rentenkassen zu spülen. Was hat das denn mit der angeblichen Generationengerechtigkeit zu tun, wenn sich die jüngeren Generationen krumm und bucklig schuften müssen, um die Renten der Älteren zu finanzieren?

Es gäbe eine ganze Menge an Steuerungsmöglichkeiten, um das Rentensystem wieder stabiler zu machen. Allerdings verbunden mit unbequemen Fragen. Warum zum Beispiel zahlen Beamte nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein? Warum Politiker nicht? Warum nimmt die Bundesregierung aus der Rentenkasse jedes Jahr 80 Milliarden Euro für versicherungsfremde Leistungen? Warum gelingt es Ländern in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, die Rente sinnvoll zu reformieren? In Schweden mit einem Mehrsäulen-Modell, in Österreich, wo Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen.

Jede deutsche Bundesregierung drückt sich vor der unbequemsten, aber wichtigsten Reform für die Zukunft – der des deutschen Rentensystems. Deshalb ist für mich die dauernde Diskussion über ein höheres Renteneintrittsalter einfach nur verlogen.

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