Neue CDU-Vorsitzende: die Saarländerin Annegret Kram-Karrenbauer. (Foto: picture-alliance / dpa)

Porträt der neuen CDU-Vorsitzenden AKK - Die Netzwerkerin

Zum zweiten Mal hat eine Frau den Posten des CDU-Bundesvorsitz. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer ist keine Merkel-light-Variante, legt Berlin-Korrespondent Axel Krämer dar.

Von der Generalsekretärin zur Parteichefin – Das kommt einem irgendwie bekannt vor: Annegret Kramp-Karrenbauer geht denselben Weg, den vor ihr Angela Merkel gegangen ist. Als Generalsekretärin war sie viel unterwegs in der CDU, ist auch schon aus ihrer Zeit als Landesvorsitzende gut vernetzt – entsprechend hatte sie von allen drei Kandidaten am stärksten die Partei in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs gerückt.

Es darf nicht wieder passieren, dass etwas entschieden wird in der Regierung und die Partei kann dann sehen, ob sie es mitträgt oder nicht. Erst Debatte in der Partei, dann Vorschläge zur Umsetzung in der Fraktion, und dann in die Regierung: Das ist demokratische Reihenfolge. Das ist es, was wir wollen.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Das klingt jetzt nicht unbedingt nach einer super-bequemen Partnerin für Kanzlerin Merkel – die Lesart, sie sei so eine Art Kopie ihrer Vorgängerin, halten ohnehin viele in der CDU für total abwegig.

Nahbar, zugänglicher, entscheidungsfreudiger als Merkel

Armin Schuster, Innenexperte aus Baden-Württemberg, kennt beide schon lange: "Ich bin davon überzeugt, dass kaum etwas stimmt an der Formulierung, sie sei ein Abziehbild oder sowas", erklärte er. "Wer das sagt, kennt die beiden Frauen entweder nicht – oder er will bewusst eine Kampagne fahren.

AKK, so heißt es, sei erstens viel nahbarer, viel zugänglicher als Merkel, und zweitens viel entscheidungsfreudiger – sie lasse Dinge längst nicht so lange laufen.

Ein entscheidender Faktor für die Wahl der Saarländerin dürfte gewesen sein, dass Kramp-Karrenbauer am ehesten dafür steht, alle Flügel zusammenzuführen – die kommen schon in ihrer Person zusammen.

Keine klassische Familienaufteilung

Sozialpolitik ist ihr wichtig, gesellschaftlich tickt sie oft eher konservativ, das Familienleben der dreifachen Mutter entspricht aber nicht dem klassischen Bild: Ihr Mann hat beruflich zurückgesteckt, während sie Karriere machte.

Ich kann nur sagen, bei meiner Reise durch die Partei haben mich viele Kollegen, die jeden Abend in Parteiveranstaltungen saßen, gefragt, wie das denn mit dem Wohl meiner Kinder ist. Ich bin zu meinem Mann nach Hause gekommen und hab gesagt, wenn die sich um ihre eigenen Kinder alle so viel Sorgen machen wie um unsere, dann muss es denen allen gut gehen!

Annegret Kramp-Karrenbauer

Eine ihrer Stärken: Kontakt halten

Was ihr jetzt nützen kann: Kramp-Karrenbauer ist bekannt dafür, immer Kontakt zu halten, Brücken nicht abreißen zu lassen – nicht zu denen, mit denen sie einer Meinung ist, vor allem aber nicht zu denen, die anderer Meinung sind.

Denn die Merz-Unterstützer mit ihrer Enttäuschung muss sie jetzt abholen, mit klassischen Unions-Themen – innere Sicherheit zum Beispiel, von der versteht sie etwas.

Dazu brauchen Sie einen Staat, der ganz deutlich macht, dass er stark ist, dass er sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Und das, das sage ich Ihnen als ehemalige Innenministerin, das ist keine Frage von schrillen Tönen. Das ist einzig und allein eine Frage des Willens und des Vollzugs, und auch hier haben wir als CDU, wo wir in Verantwortung stehen, noch Luft nach oben.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Luft nach oben hat die CDU auch bei den Wahlergebnissen – die Bundes-CDU. Im Saarland hat Kramp-Karrenbauer im vergangenen Jahr 41 Prozent geholt und damit den Höhenflug von Martin Schulz gestoppt und die Grundlage gelegt für den Machtwechsel in NRW zwei Monate später. Seither kannte sie wirklich jeder in der CDU – und wusste: Mit dieser Frau ist zu rechnen.

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