Ein Büro der Linken in Thüringen (Quelle: dpa-Zentralbild) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Petra Pau, Linken-Politikerin und früheres SED-Mitglied "Der SED beigetreten, weil ich vieles besser machen wollte"

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30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer lautet oft die Frage: Wie viel SED steckt in der Linken? Die heutige Linken-Politikerin Petra Pau war 1983 der SED beigetreten.

Die heutige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags sagte im SWR, sie habe damals die Idee gehabt, vieles besser machen zu wollen: "Das war für mich der Punkt, dass ich meinte, dass ich das in der SED am besten tun könnte." Heute wisse sie, dass der Sozialismus sowjetischer Prägung vor allem an sich selbst gescheitert sei.

Zweifel auch schon vor 1989

Gedanken über die SED hatte sich Pau nach eigener Aussage schon vor der Wende gemacht: "Für mich hatte ich das Gefühl, dass ich tatsächlich etwas für die in unserer damaligen Lesart bessere Seite Deutschlands tun konnte im Sinne der Überwindung des Faschismus und der Durchsetzung der Menschenrechte." Das dies nicht so gewesen sei, sei ihr inzwischen klar, so Pau weiter.

"Wir wissen heute, dass verbriefte Bürgerrechte wie Grundregeln der Demokratie zugunsten einer vermeintlich besseren Sache ausgesetzt wurden." Das sei ein Rückfall hinter die Errungenschaften der Französischen Revolution gewesen.

Bis zum Sommer 1989 trotzdem noch für DDR eingetreten

Im Jahr 1988 und in der ersten Jahreshälfte 1989 sei sie selbst nicht auf die Straße gegangen, um die friedliche Revolution herbeizuführen, berichtet Pau. Sie habe "bis mindestens zum Sommer 1989 für die DDR und den Sozialismus gestritten".

Die Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz am 4. November 1989 sei für sie der Schlüsselmoment gewesen: "Diese schonungslose Analyse der Zustände und was das mit den Menschen in der DDR macht, hat mir nicht nur die Augen geöffnet, sondern mich auch ins Gespräch gebracht mit Menschen meiner Generation, die einen anderen Weg gegangen sind."

Die Linke heute: "Ehemalige SED-Mitglieder haben Lehren gezogen"

Die SED in der Linken gebe es nicht, sagt Pau im SWR. Vielmehr fänden sich in der Partei ehemalige SED-Mitglieder wie sie selbst, die ihre Lehren gezogen hätten. Hinzu kämen Menschen, die aus anderen Parteien hinzugekommen oder auch viel später geboren worden seien. Das seien Menschen, die heute für soziale Gerechtigkeit, für Demokratie und für Frieden einträten.

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