Polizei sichert am 21.08.2015 den ehemaligen Praktiker Baumarkt in Heidenau (Sachsen) vor Übergriffen von Gegnern der Asylunterkunft.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

"In vielen Schichten salonfähig" Studie: Rechte Hassgewalt in Sachsen weiter auf hohem Niveau

Die Täter sind laut einer Studie zu rechter Hassgewalt deutlich älter. "Hassgewalt ist offensichtlich keine Jugendsünde mehr", kommentiert die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, Petra Köpping (SPD), diese Entwicklung.

Die Studie der Technischen Universität Dresden untersuchte die Entwicklung von Hassgewalt im Zeitraum von 2011 und 2016. Insbesondere nach der Flüchtlingskrise 2015 nahmen die Fallzahlen demnach stark zu.

Die Täter waren laut der Studie in der Regel männlich, ledig und hatten eine geringe Bildung. Auffallend war das deutlich höhere Alter im Vergleich zu älteren Studien. Mit im Schnitt 28,5 Jahren entsprachen die Täter nicht mehr dem "Typus des jugendlichen Schlägers".

Mehr Radikalisierung und Polarisierung

Die Forscher stellten fest, dass Radikalisierung, Polarisierung und Mobilisierung einen höheren Grad erreicht hätten. Menschen, die früher nicht unbedingt gewalttätig geworden wären, würden sich eher radikalisieren und gewalttätig werden.

Bei der Analyse von 115 Fällen, bei denen die Täter rechtskräftig verurteilt wurden, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass "ideologisch verfestigte rechtsextreme Weltbilder als Gewaltanreiz eine deutlich geringere Rolle" spielten als die Stimmung im Freundes- und Bekanntenkreis oder der immer schärfer werdene Ton in Sozialen Netzwerken und bei Anti-Asyl-Protesten.

"Rechte Gewalt salonfähig"

In vielen Gesellschaftsschichten sei rechte Hassgewalt offenbar salonfähig geworden, erklärte Köpping die Zahlen. Mit den Erkenntnissen aus der Studie sollen Präventionsangebote verbessert werden.

Aufgrund der Vielzahl rechtsextremer Gewalttaten wird Sachsen bundesweit als Hochburg rechter Gewalt wahrgenommen. Extremismusforscher Uwe Backes, der Leiter der Studie, erklärte dazu, dass dies nur im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern so stimme. Verglichen mit anderen ostdeutschen Bundesländern steche Sachsen nicht heraus.

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden erstellte die Studie "Rechte Hassgewalt in Sachsen". Die Entwicklung zwischen 2011 und 2016 wird auf 220 Seiten nachvollzogen.

REDAKTION
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