Kinder im Unterricht (Foto: picture-alliance / dpa)

OECD-Bildungsstudie Herkunft und sozialer Status entscheiden über Bildungschancen

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Deutschland steht bei der Bildung gut da, aber vor allem Kinder aus ärmeren und eingewanderten Familien haben schlechtere Chancen, das zeigt eine neue Studie der OECD.

17 Jahre ist es nun her, dass die erste PISA-Studie die deutsche Bildungspolitik ordentlich aufgewühlt hat. Damals hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gezeigt, dass die Leistungen deutscher Schüler eher unterirdisch waren.

Viele positive Entwicklungen

Seitdem hat Deutschland bei der Bildung aufgeholt. In kaum einem anderen Land ist der Anteil wirtschaftlich schwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland - von rund 25 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 32 Prozent.

Für die Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland zieht die OECD-Studie eine positive Bilanz - ihre Bildungs- und Berufschancen sind gut bis ausgezeichnet.

Auch bei der frühkindlichen Bildung gibt es Fortschritte. Der Anteil der Kinder die eine Kita besuchen, stieg von 17 Prozent im Jahr 2005 auf 37 Prozent im Jahr 2016. Doch die Studie zeigt auch Schwachstellen auf.

Kinder aus armen und wirtschaftlich schwachen Familien haben es schwer

Die Probleme im Bildungsbereich seien noch nicht gelöst, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, im SWR. Sie schätzt, dass es bei einer gleichbleibenden Weiterentwicklung noch etwa 100 Jahre dauern würde, bis ein Gleichstand erreicht ist.

Die OECD-Studie zeigt, dass vor allem Kinder aus ärmeren und eingewanderten Familien in Deutschland oft keinen Aufstieg durch Bildung schaffen. Rund 24 Prozent der jungen Menschen mit Migrationshintergund sind nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung.

Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW, fordert größere Investitionen in Bildung. (Foto: picture-alliance / dpa)
Marlis Tepe, Vorsitzende der GEW, fordert größere Investitionen in Bildung.

Frühkindliche Bildung sollte weiter gefördert werden

Dafür sind auch Unterschiede in der frühkindlichen Bildung verantwortlich. "Kinder aus ungünstigen sozialen Schichten, die es am dringendsten brauchen, bekommen in Deutschland am wenigsten frühkindliche Bildung," so OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

"Man muss es interessant machen für die Eltern, dass sie ihre Kinder auch in die frühkindliche Bildung abgeben," findet Tepe. Dabei könne es helfen, Familienbildungsstätten und Beratungsstellen mit Kindertageseinrichtungen und Integrationskursen zusammenzuführen und eine Art gemeinschaftlichen Campus zu errichten.

Größere Investitionen in Bildung notwendig

Insgesamt müsse Deutschland noch wesentlich mehr Geld in Bildung investieren, sagte Tepe. Denn die Unterschiede in der Bildung gehen immer weiter auseinander.

Daran sei auch Stadtplanung in Deutschland schuld, erklärte Tepe. Vor allem in Stadtgebieten mit niedrigen Mietpreisen gebe es Kindertagesstätten und Schulen mit geballten Problemlagen, diese müssten besser unterstützt werden, forderte sie.

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