Michel Barnier, Beauftragter der EU-Kommission für die Verhandlungen über den Austritt des Vereinigten Königreichs (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa)

Nordirland als Knackpunkt Zuversicht und Zweifel über neue Rund-um-die-Uhr-Brexit-Verhandlungen

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Ist der britische Premier Johnson plötzlich wirklich an einem Austrittsvertrag mit der EU interessiert? Bei den EU-Diplomaten in Brüssel mischen sich Zuversicht und Zweifel.

Tatsache ist: Die Brexit-Teams des EU-Verhandlungsführers Michel Barnier und des britischen Brexit-Ministers Steven Barclay verhandeln an diesem Wochenende hinter verschlossenen Türen - und das rund um die Uhr.

Dauer

Keine Zollkontrollen, keine Chlor-Hühnchen

Sonntagabend, spätestens aber am Montag, wird Kommissionsunterhändler Barnier die Botschafter der 27 EU-Mitgliedsstaaten darüber informieren, ob es substantielle Fortschritte gibt. Dann steht fest, ob die Briten tatsächlich Zollkontrollen auf der irischen Insel zwischen der britischen Provinz Nordirland und der zur EU gehörenden Republik Irland komplett vermeiden wollen.

Dabei darf nicht die Gefahr bestehen, dass zum Beispiel Chlor-Hühnchen und Hormonrinder aus den USA, Gammelfleisch aus Brasilien oder vergiftetes Kinderspielzeug aus China via Nordirland in die EU gelangen. Gleichzeitig muss Boris Johnson verhindern, dass Nordirland vom Vereinigten Königreich wegdriftet, wenn in Nordirland auch nach dem Brexit sämtliche EU-Standards weiter gelten.

"Im besten Interesse aller"

Die "Financial Times" in London kommentiert die Verhandlungen so: "Eine Austrittsvereinbarung zum jetzigen Zeitpunkt würde das Referendum von 2016 respektieren, den schlimmsten Fall eines No-Deal-Brexits vermeiden, die unmittelbare Unsicherheit für britische Unternehmen und die Wirtschaft beseitigen und Investitionen fließen lassen. Es ist im besten Interesse Boris Johnsons, des irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar und der gesamten EU, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine solche Vereinbarung zu erzielen."

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