Generalstreik in Frankreich (Foto: Reuters)

Friedliche Proteste und Krawalle Generalstreik hat Frankreich lahmlegt

Ein Generalstreik gegen die geplante Rentenreform hat Frankreich fast komplett lahmgelegt. Auch heute wird wieder gestreikt.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war am Donnerstag mit den größten Protesten seit Beginn der "Gelbwesten"-Bewegung vor einem Jahr konfrontiert: Hunderttausende Menschen gingen im ganzen Land auf die Straße. In der Hauptstadt Paris fuhren fast keine Metros, die meisten Linien wurden nicht bedient, Bahnhöfe waren geschlossen.

Demonstrationen in 30 Städten

Auch Feuerwehrleute, Polizisten, Krankenhausmitarbeiter, Anwälte und die Müllabfuhr streikten. Sehenswürdigkeiten wie der Eiffelturm und das Schloss Versailles blieben geschlossen. Etliche Lehrer traten ebenfalls in den Ausstand.

"Schützt unsere Renten" und "Soziale Unsicherheit tötet" hieß es auf Protestbannern. Insgesamt gingen nach Behördenangaben bis zum Mittag mehr als 180.000 Menschen in rund 30 Städten auf die Straße.

Nach Angaben der staatlichen Bahngesellschaft SNCF beteiligten sich fast neun von zehn Lokführern an dem Streik. Die Auswirkungen im Bahnverkehr waren auch in Deutschland zu spüren.

Laut Bildungsministerium war jeder zweite Lehrer im Ausstand. Die Gewerkschaften gehen von einer deutlich höheren Beteiligung aus. Auch sieben der acht französischen Erdöl-Raffinerien wurden bestreikt.

Krawalle in Paris: Scheiben eingeschlagen und Autos angezündet

An den meisten Orten blieben die Proteste friedlich. Es gab aber auch Krawalle. Vor allem in der Hauptstadt Paris kam es am Rande der Proteste zu Ausschreitungen. Auch in Nantes, Lyon und Bordeaux kam es vereinzelt zu Zusammenstößen mit der Polizei.

In Paris mischten sich Vermummte unter die Demonstrierenden, schlugen Scheiben ein und steckten Fahrzeuge in Brand. Die Polizei setzte Tränengas ein. Dutzende Menschen wurden festgenommen. Allein in Paris waren 6.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Streik geht auch an den nächsten Tagen weiter

Die Eisenbahner und die Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe setzen ihren Ausstand fort. Fast im gleichen Umfang wie gestern. Das heißt, im ganzen Land rollt kaum ein Zug und in Paris sind fast alle Metrolinien außer Betrieb. Und auch jeder fünfte Flug wird heute wieder ausfallen.

Wenn es nach den beteiligten Gewerkschaften geht, soll das erst der Anfang gewesen sein. Heute vormittag wollen sie entscheiden, wie es weiter geht. Möglich ist, dass sie schon für morgen zu einem weiteren nationalen Protesttag aufrufen. Im Gespräch sind auch der Dienstag oder der Donnerstag nächster Woche.

Bald keine Rente mit 62 mehr?

Der Generalstreik in Frankreich richtet sich gegen die Rentenreform, die Macron im Wahlkampf angekündigt hat: Das gesetzliche Renten-Eintrittsalter von 62 Jahren will die Regierung zwar offiziell nicht antasten, aber wer es wahrnimmt, muss künftig mit Abschlägen rechnen. Bis zum Sommer soll das Parlament die neuen Regeln beschließen.

Zudem will Macron die mehr als 40 verschiedenen Rentensysteme vereinheitlichen und das Defizit der Rentenkassen abbauen, das bis 2025 auf 17 Milliarden Euro steigen könnte. Dies hatte er im Wahlkampf versprochen.

REDAKTION
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