Eine Frau sucht in einem Onlineshop nach Schuhen.  (Foto: picture-alliance / dpa)

Neue Regelung zum Geoblocking Online-Shopping in Europa jetzt einfacher

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Durch Geoblocking konnten Händler ausländische Käufer bisher von Angeboten ausschließen oder sie automatisch auf Webseiten mit höheren Preisen weiterleiten. Heute tritt eine neue EU-Regelung in Kraft, die das verhindert.

Der Vizepräsidentin des Europaparlaments, Evelyne Gebhardt, begegnete das Problem vor einigen Jahren. Weihnachten war nicht mehr weit und die Sozialdemokratin wollte ihrer Mutter eine schöne Kaffeemaschine kaufen. "Meine Mutter lebt in Frankreich. Ich war in Frankreich und habe festgestellt, dass auf der französischen Seite des Unternehmens die Maschine sehr viel teurer ist als hier in Deutschland", so Gebhardt.

Anschließend versuchte sie einfach, von Paris aus die deutsche Seite des Versandhändlers aufzurufen. Doch das klappte nicht. Sie wurde umgehend wieder auf die französische Seite mit den höheren Preisen zurückgeleitet.

Nur 37 Prozent ermöglichen Bestellungen aus dem Ausland

Wer schon einmal versucht hat, den begehrten Fotoapparat in Italien, das Mountainbike-Schnäppchen in der Slowakei oder günstige Festivaltickets in Dänemark an Land zu ziehen, der konnte bislang regelmäßig sein blaues Wunder erleben.

"Heutzutage erlauben nur 37 Prozent der Webseiten, dass auf ihnen aus dem EU-Ausland eingekauft werde kann. Kunden werden geblockt oder einfach woanders hingeleitet. So etwas darf es einfach nicht in einem digitalen Binnenmarkt geben und deshalb müssen wir das abstellen", so der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip.

Grenzenloses Shopping - mit einem Haken

Und genau das passiert mit der neuen EU-Regelung. Ab heute muss der Händler den günstigen Preis, den er in einen Land anbietet, allen EU-Bürgern zugestehen. Rein praktisch wird das wahrscheinlich so laufen, dass der Käufer erst einmal gefragt wird, ob er tatsächlich auf die ausländische Seite will. Stimmt er zu, erscheint die jeweilige Seite mit dem entsprechenden Preis. Eine automatische Umleitung auf die deutsche Version der Seite gibt es nicht mehr.

Damit wird das grenzenlose Shoppen nun also tatsächlich möglich. Allerdings hat die neue EU-Online-Welt auch einen Haken, der fast ein bisschen wirkt wie ein Schildbürgerstreich. Denn der Händler muss die Ware jetzt zum günstigen Preis verkaufen, er ist allerdings nicht verpflichtet, sie dem Käufer auch zuzuschicken. Unter Umständen muss der Käufer das Gekaufte selbst abholen oder sich einen Extra-Lieferdienst suchen.

Urheberrechtlich geschützte Medien nicht Teil der Regelung

Es wird vor allem am Anfang ziemlich Ruckeln räumt der Verbraucherschutzexperte der europäischen Christdemokraten, der Belgier Pascal Arimont, ein: "Sie müssen dann die Lieferung, in dem Falle selber organisieren. Aber ich glaube, dass der Markt sich derart verändern wird, dass derjenige, der solch eine Lieferung dann inklusive hat, auch am Ende am Markt bestehen wir.".

Nicht profitieren vom neuen grenzenlosen Online-Shopping werden übrigens alle, die urheberrechtlich geschützte digitale Medien kaufen wollen, also zum Beispiel E-Books, Computerspiele, Filme oder Musik. Die fallen nicht unter die neuen Regeln und bleiben national beschränkt.

Das Gleiche gilt für Finanz- und Verkehrsdienstleistungen wie Flugtickets. Erst in einigen Jahren könnte sich daran tatsächlich etwas ändern. Im März 2020 will die EU-Kommission den Erfolg der neuen Regeln überprüfen.

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