Seniorin wirft Geld in ihr Sparschwein. (Foto: Getty Images, Thinkstock - dolgachov)

Wie können sich Bankkunden wehren? Keine Panik vor Negativzinsen für Sparer

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Dass auch Privatkunden Negativzinsen auf kleinere Guthaben bei der Bank drohen, ist schon länger im Gespräch. Wir erklären, was dahintersteckt und wie man sich wehren kann.

Wenn Negativzinsen erhoben werden, bedeutet das, dass Sparer dafür bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der Bank parken. Mindestens 30 Banken und Sparkassen nehmen ihren Privatkunden derzeit bereits Zinsen dafür ab. Das hat eine Umfrage des Finanzportals Biallo ergeben. Allerdings fallen die Zinsen bislang nur für große Vermögen an – ab 100.000 Euro etwa.

Seit dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einigen Wochen gibt es Spekulationen, ob die Banken auch kleinere Sparer bald zur Kasse bitten werden. Ob das tatsächlich so kommt, kann im Moment keiner mit Sicherheit sagen. Das hängt von einer Menge Faktoren ab.

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Viele Faktoren haben Einfluss auf Negativzinsen

  • Erster Faktor: Die Entscheidung der Banken hängt etwa davon ab, ob die EZB im September den Negativzins, den die Geschäftsbanken für das Parken von Einlagen bezahlen müssen, weiter erhöht. Er belastet die Institute stark. Deshalb sind sie überhaupt versucht, den Kunden die Kosten dafür weiterzureichen. Ausgemacht ist das noch nicht, aber viele Experten halten es für sehr wahrscheinlich.
  • Zweiter Faktor: Die EZB hat für diesen Fall "abmildernde Maßnahmen" angekündigt, ohne konkret zu werden. Es könnte also sein, dass es für die Bank doch nicht so schlimm kommt. Dann wäre auch kein neuer Handlungsdruck da.
  • Dritter Faktor: Es stellt sich die Frage, ob Banken einen solchen Imageverlust wirklich riskieren würden. Auch das kann heute keiner mit Sicherheit sagen. Man sieht, es besteht kein Grund zur Panik.  

So können sich Bankkunden gegen Negativzinsen wehren

  • Der erste Schritt wäre: Kündigen und ein neues Konto bei einer anderen Bank eröffnen. Bei Girokonten wäre das leicht möglich. Wenn allerdings alle Banken Negativzinsen verlangen, würde ein Wechsel wenig bringen.
  • Bei Sparkonten könnten Verbraucher einfach ihre Strategie wechseln: Das Geld zum Beispiel in Aktiendepots oder in Konten im Ausland anlegen, wo es keinen Euro gibt. Das würde dann allerdings mit anderen Risiken einhergehen. Das müsste man genau abwägen.

Trendwende bei der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank?

Ein Ende der lockeren Geldpolitik ist nicht in Sicht – leider, muss man aus Sparerperspektive sagen. Mindestens bis Mitte nächsten Jahres sollen die Zinsen auf aktuellem Niveau bleiben oder darunter – das haben die Währungshüter Ende Juli verkündet. Die Begründung: Die Zentralbank will die Konjunktur beleben. Die ist ins Straucheln geraten infolge der internationalen Krisen, etwa dem Handelskonflikt zwischen USA und China. Die EZB will die Banken motivieren, den Unternehmen Geld zu leihen, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Daher sind die Zinsen so niedrig. Doch das geht weiterhin zulasten der Sparer.

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