Ein riesiger Regenschirm soll das Innere von Notre-Dame während des Wiederaufbaus schützen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marcel Kusch/dpa)

Nach verheerendem Brand Großer "Regenschirm" soll Notre-Dame schützen

Das Ausmaß der Zerstörung von Notre-Dame ist weitgehend bekannt. Jetzt gilt es, weitere Schäden zu verhindern, denn die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes für die Kathedrale. Und schlechte Stimmung in Paris naht auch noch von einer ganz anderen Seite.

Ein "großer Regenschirm" soll die schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre-Dame vor Wasser schützen. Dabei handele es sich um eine gewaltige Plane, die über dem Gebäude angebracht werde, sagte die Präsidentin der Architektenvereinigung für historische Gebäude, Charlotte Hubert, dem Sender BFM TV.

Am Freitag begann außerdem der Abtransport der riesigen Ölgemälde, die in der Kathedrale hingen. Sie sollen weitgehend unbeschädigt sein und eher Rauch- als Brandschäden erlitten haben. Während der Renovierungsarbeiten an der Kathedrale werden sie im Louvre untergebracht.

Im Video: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verkündete am Dienstag, einen Tag nach dem Feuer in Notre-Dame, er wolle die Kathedrale innerhalb von fünf Jahren wieder aufbauen.

Wetterbericht kündigt Gewitter für Paris an

Die weltberühmte Kathedrale im Herzen von Paris war bei dem Brand am Montagabend schwer beschädigt worden - vor allem das Dach wurde in großen Teilen zerstört. Die französische Hauptstadt war in den Tagen nach dem Feuer weitgehend von Regen verschont geblieben.

In der kommenden Woche erwarten die Meteorologen allerdings Gewitter. Deshalb soll das Gebäude mit einer Plane mit der Form eines Spitzdaches wasserfest gemacht werden. Die Konstruktion müsse größer sein als das ursprüngliche Dach, damit die Handwerker darunter arbeiten können, so die Expertin Hubert.

Eine Art Regenschirm soll die Handwerker und das Innere von Notre-Dame während des Wiederaufbaus schützen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Gigarama.Ru/Gigarama.ru/dpa)
Eine Art Regenschirm soll die Handwerker und das Innere von Notre-Dame während des Wiederaufbaus schützen. picture alliance/Gigarama.Ru/Gigarama.ru/dpa

Regen kann Einsturzgefahr erhöhen

Bereits das Löschwasser hatte in der Kathedrale großen Schaden angerichtet. Regen könnte das Gebäude weiter beschädigen. Kulturminister Franck Riester hatte gesagt, dass es besonders gefährlich wäre, wenn sich Wasser auf dem Dach der Kathedrale ansammeln würde. Das erhöhe die Einsturzgefahr, warnte er.

"Gelbwesten" kündigen Proteste an

Unterdessen bereitet sich Frankreich auf neue "Gelbwesten"-Proteste vor. Die Anhänger der Bewegung kritisieren auch das große Spendenaufkommen für den Wiederaufbau der Kirche.

Nach dem Feuer hatten französische Milliardärsfamilien immense Summen versprochen. "Was Notre-Dame betrifft, so ist es gut, dass die Milliardäre eine Milliarde Euro finden konnten, aber 140.000 Obdachlose, das interessiert niemanden!", heißt es in einem Facebook-Aufruf zu den Protesten. "Wieder einmal ist die Bedrohung ernst und erfordert verstärkte Maßnahmen", sagte Innenminister Christophe Castaner und kündigte ein großes Sicherheitsaufgebot an.

Demo-Verbote rund um Notre-Dame

Die Pariser Polizeipräfektur hat Demonstrationen rund um Notre-Dame verboten. Das gilt zum einen für die Île de la Cité auf der Seine, auf der sich die Kathedrale befindet und auf der bereits in weiten Teilen ein Sicherheitsbereich eingerichtet wurde. Zum anderen darf auch in der unmittelbaren Umgebung nicht protestiert werden - besonders am linken Seine-Ufer.

Erneut sind an diesem Wochenende rund um die Prachtmeile Champs-Élysées Demonstrationen verboten - hier war es in der Vergangenheit immer wieder zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Die "Gelbwesten" demonstrieren seit Mitte November gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron und eine als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Macron wollte am Montag eigentliche Maßnahmen zur Beruhigung des politischen Klimas verkünden - sagte seine TV-Ansprache aber wegen des Brandes ab.

Pariser Kathedrale Notre-Dame innen nach dem Brand (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christophe Petit Tesson/EPA POOL/AP/dpa)
Blick ins Innere von Notre-Dame nach dem Brand picture alliance/Christophe Petit Tesson/EPA POOL/AP/dpa

Brandursache ist weiterhin unklar

Unklar ist weiterhin, was das Feuer ausgelöst hatte. Zu Medienberichten, wonach der Brand durch einen Kurzschluss ausgelöst wurde, hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, dass "derzeit keine Hypothese ausgeschlossen" werde. Ermittler gehen davon aus, dass die Katastrophe auf einem Unfall beruht. Die Anhörungen von Zeugen werden fortgesetzt, wie die Staatsanwaltschaft berichtete. Unter den Zeugen sind Arbeiter, die vor dem Feuer an Renovierungsarbeiten beteiligt waren.

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