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Kommentar Krise am Golf: Ein Inferno verhindern? Das könnte schwer werden!

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Nach dem Angriff auf Tanker in Golf von Oman geht es um mehr als die Frage, wer die Schuld trägt. Es geht vor allem darum, ob der Konflikt sich zu einem heißen Krieg ausweitet. Das Potential dazu hat er, kommentiert Horst Kläuser.

Noch ist nicht klar, wer hinter den Attacken gegen Tankerschiffe im arabischen Golf und der Straße von Hormus steckt. Aber schon jetzt ist klar, dass sie das Zeug haben, die Region in ein schwer zu löschendes Inferno zu verwandeln.

Neu vom Sonntag: Mohamed bin Salman hat sich ebenfalls zu Wort gemeldet.

Das Wort vom Krieg durch vermeidbaren Zufall macht die Runde, doch es muss nicht so kommen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich alle Akteure ihrer weltpolitischen Verantwortung bewusst werden.

Dies ist schwer in Zeiten einer skrupellosen und irrlichternden US-Außenpolitik, zweier machtbesessener islamischer Kontrahenten in Riad und Teheran und einer europäischen Außenpolitik, die sich – vornehm ausgedrückt – abgemeldet hat.

Iran-Terror wohin man schaut

Dabei ist es fast eine Tragik, dass der uneinsichtige und isolationistische Mann im Weißen Haus durchaus Recht hat mit seinen Mahnungen vor dem Iran. Sie kommen nur vom falschen Mann und aus den falschen Gründen.

Das Atomabkommen nämlich, so versichern alle Experten, vor allem auch die internationale Atomenergiebehörde erfüllt seinen Zweck: Die Mullahs können derzeit keine nuklearen Waffen bauen.

Doch unterhalb dieser Atomschwelle ist der Iran auch jetzt schon Teil der von George Bush Jr. definierten Achse des Bösen. Terror wohin man schaut: Teheran unterstützt den mörderischen Diktator Assad, die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gaza-Streifen und die Huthi-Rebellen im Jemen.

Hohles Bekenntnis

Dort stößt der schiitische Iran auf die zweite muslimische Macht: das sunnitische Saudi-Arabien. Menschenrechte, Demokratie sind dort ebenso Fremdworte wie im Iran. Aber Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind die Partner des Westens.

Das macht unsere Rolle am Golf nicht einfacherer. Das Bekenntnis der Engländer, Franzosen, Russen und Deutschen zum Atomvertrag, den Trump gekündigt hat, ist so lange hohl wie die Wirtschaft eher die Sanktionen aus Washington für den US-Markt fürchtet und nach dessen Pfeife tanzt. Der anvisierte Tauschmarkt, um bei den Warenlieferungen den Dollar zu umgehen, ist bislang nicht mehr als eine Idee.

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