Test auf Trisomie: Dieses kleine Mädchen aus Baden-Württemberg hat das Down-Syndrom. (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa)

Nach Entscheidung von Ärzten, Kassen und Kliniken Das sagt die Presse zum Bluttest auf Trisomie

Krankenkassen können die Kosten von Gen-Untersuchungen zur Gesundheit ungeborener Kinder übernehmen - unter engen Bedingungen. Medien sind geteilter Meinung.

Schwangere, die ihr Kind vor der Geburt mit einem Bluttest auf ein Down-Syndrom testen lassen wollen, sollen das in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt bekommen. Allerdings nur unter Bedingungen. Das beschloss gestern der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärztinnen, Ärzten, Kassen und Kliniken als oberstes Entscheidungsgremium.

Dauer

Das gilt jedenfalls für "begründete Einzelfälle", wie bei Frauen mit einer Risikoschwangerschaft. Zuvor ist eine ärztliche Beratung Pflicht, verbunden mit weiteren bestimmten Informationen. Die Zeitungen in Deutschland sind darüber geteilter Meinung.

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"

"Am Ende können nur die werdenden Eltern wissen, ob sie es sich zutrauen, ein Kind mit einem erhöhten Betreuungsaufwand zu bekommen. Eine bessere Beratung kann helfen, zu einer realistischen Einschätzung zu kommen. Weiterhin gibt es das Recht auf Nichtwissen - und das darf auch nicht angetastet werden. Niemand wird verpflichtet, sein Kind untersuchen zu lassen. Trägt die Behauptung, dass der Bluttest Eltern unter Druck setze, ein gesundes Kind zu bekommen? Kritiker der Diagnostik zeichnen das Bild von werdenden Eltern, die sich von Stimmungen zu einer Verzweiflungstat hinreißen lassen. Doch bleibt die Frage, ob damit ein realistisches Bild von Eltern gezeichnet wird. Der Staat muss sicherstellen, dass Eltern beraten werden - und dass nicht zwischen lebenswertem und nicht lebenswertem Leben unterschieden wird", schreibt die FAZ.

"Reutlinger Generalanzeiger"

"Für Frauen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Chromosomenveränderungen ist der Test ein Fortschritt. Sie müssen nun nicht mehr eine riskante Fruchtwasseruntersuchung über sich ergehen lassen. Wenn die Krankenkassen den Test zahlen, entscheidet außerdem nicht mehr der Geldbeutel, ob eine Frau das risikoärmere Verfahren in Anspruch nehmen kann. Alles andere wäre auch Heuchelei", schreibt der "Reutlinger Generalanzeiger".

"Stuttgarter Nachrichten"

"Es geht bei der Entscheidung, dass Bluttests auf Trisomie 21 von den Krankenkassen bezahlt werden, nicht um eine Einschränkung des Rechtes auf Abtreibung beim Vorliegen der entsprechenden Indikationen. Aber es geht darum zu erkennen, dass auch der Bluttest auf Trisomie 21 unser Menschenbild verändern wird. Es wird immer schwerer, die Würde der Menschen mit Trisomie 21 zu verteidigen. Sie müssen sich immer stärker einer Haltung ausgesetzt fühlen, die in ihnen keine selbstbestimmten, freien, stolzen, zum Glück befähigten und würdevollen Menschen mehr sieht, sondern medizinische Unfälle, Versorgungsfälle, unnötige, vermeidbare Belastungen für Angehörige und Gesellschaft. Und im selben Ausmaß steigt der Druck auf werdende Eltern", heißt es in den "Stuttgarter Nachrichten".

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

"Nordwestzeitung Oldenburg"

"Durch die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses, vorgeburtliche Bluttests - zumindest bei Risikoschwangerschaften - zur Kassenleistung zu erklären, wird es zu einem Anstieg von Schwangerschaftsabbrüchen kommen, wird es zu einer vorgeburtlichen Auswahl kommen und werden die Rechte von Menschen mit Behinderung verletzt. Und letztlich werden auch die Eltern von Kindern mit Behinderung fragen, warum dieser Automatismus von dem Gremium erlaubt werden konnte. Die Befürworter argumentieren, dass ein Bluttest das Risiko minimiere und die Untersuchung keine Sache des Geldbeutels sein dürfe. Freilich wächst der Druck auf die Schwangeren, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Was stattdessen wichtiger wäre: Zu diskutieren, dass die Gesellschaft den Menschen mit Behinderungen viel zu wenig hilft", schreibt die "Nordwestzeitung".

"Hessische Niedersächsische Allgemeine"

"Kritiker des Tests befürchten, dass Eltern behinderter Kinder dem Optimierungswahn unserer Zeit erliegen und deshalb unter Druck geraten. Das ist aber ein Problem der Gesellschaft, dafür kann sie schwangere Frauen nicht in Haftung nehmen. Wichtig ist, dass Frauen auch ein Recht auf Nichtwissen haben, sich ohne moralischen Druck für oder gegen einen Bluttest entscheiden können. Und dass sie gut beraten werden - auch darüber, im Zweifel vor einer schweren Entscheidung zu stehen. Allein Kassenpatientinnen den medizinischen Fortschritt zu verwehren, ist nicht nur ungerecht. Es kann auch nicht dazu beitragen, ein positiveres Klima gegenüber Menschen mit Behinderungen zu schaffen", findet die "Niedersächsische Allgemeine".

REDAKTION
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