Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Christoph Assmann/ZDF/dpa)

"Müssen Szene stärker in Blick nehmen" Seehofer erntet scharfe Kritik nach Gamer-Pauschalurteil

Innenminister Seehofer wird wegen seiner Pauschal-Verurteilung der Gamer-Szene scharf kritisiert. Er hatte einen direkten Zusammenhang des rechtsextremen Anschlags von Halle und Gamern hergestellt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) forderte nach dem Anschlag in Halle einige Konsequenzen. Unter anderem will er Rechtsextremismus auch im Netz bekämpfen und die Gamer-Szene stärker überwachen.

Seehofer: "Müssen Gamer-Szene stärker in Blick nehmen"

Seehofer sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin": "Wir müssen die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen. Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag."

Kritik wegen Generalverdachts - "echt so krass inkompetent"

Jetzt hagelt es Kritik wegen der Pauschal-Verurteilung der Gamer-Szene. Der Deutsche Kulturrat wies die Äußerungen Seehofers zurück, sie verstellten die Sicht auf das wirkliche Problem.

"Nicht Games, sondern der Rechtsextremismus ist das Problem."

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer Deutscher Kulturrat

Der Verband der deutschen Games-Branche sprach von einem Generalverdacht durch den Bundesinnenminister. YouTuber Rezo twitterte über Seehofer, dieser sei "echt so krass inkompetent".

Wie kann man seinen Job immer und immer wieder so sehr verkacken? Er und seine Crew sind echt so krass inkompetent. Das wichtigste: Klärt eure Eltern und Großeltern auf, dass niemand mehr diese Partei wählt. Sonst geht es immer weiter mit solchen Doofies in Machtpositionen. https://t.co/qcbhCJLrtN

Für Youtuber PietSmiet ist die Aussage Seehofers ein Versuch, die Schuld den Videospielen zuzuschieben statt an echten gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten.

Seehofer reagiert und rudert zurück

Inzwischen ruderten Seehofer und sein Ministerium etwas zurück. Man wolle seine Äußerungen etwas differenzierter verstanden wissen. Im Tweet des Ministeriums heißt es jetzt: "Ob analog oder digital: Wir wollen Rechtsextremisten überall dort bekämpfen, wo sie aktiv sind."

BM #Seehofer: "Ob analog oder digital: Wir wollen Rechtsextremisten überall dort bekämpfen, wo sie aktiv sind." #Rechtsextremismus https://t.co/bqwoD6pcmZ

Attentäter von Halle streamte auf Gaming-Plattform

Hintergrund für die ganze Debatte ist, dass der mutmaßliche Halle-Attentäter Stephan B. seinen Anschlag gefilmt und die Aufnahmen auf der Gaming-Plattform Twitch live übertragen hatte. Das Portal ist eigentlich dafür gedacht, dass Spieler anderen live zeigen, wie sie ein Videospiel spielen. Sein Twitch-Konto hatte B. erst kurz vor dem Angriff eingerichtet.

Logo von Twitch (Foto: Imago, imago images / photothek)
Auf der Plattform Twitch können Videospieler ihre Spiele live für die Community streamen und mit ihr direkt in Kontakt treten. Doch auch Attentäter wie in Halle missbrauchen die Plattform, um ihre Taten zu streamen. Imago imago images / photothek
REDAKTION
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