Papst Franziskus betet bei der Eröffnung des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch.  (Foto: dpa Bildfunk)

Auftakt des Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan Papst Franziskus: Den Schrei der kleinen Opfer hören

Papst Franziskus hat erstmals von Bischöfen und weiteren katholischen Würdenträgern gefordert, wirksam gegen Kindesmissbrauch vorzugehen. Die Frage scheint, ob die Kirche wirklich zu Veränderungen bereit ist.

Zum Auftakt des Krisentreffens zu Missbrauch im Vatikan sagte Papst Franziskus, man dürfe sich nicht mit schlichten und offensichtlichen Verurteilten begnügen. Die Spitzen der katholischen Kirche müssten den Schrei der kleinen Opfer hören, die Gerechtigkeit forderten. Mehr als 100 Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenzen beraten bis Sonntag über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen.

Wie können Kinder besser geschützt werden?

Die Tagesordnung des Gipfels erinnert an ein Fortbildungsseminar: Mit Vorträgen, Fragerunden und Gruppendiskussionen sollen die rund 190 Teilnehmer innerhalb von drei Tagen für den richtigen Umgang mit dem Thema Missbrauch sensibilisiert werden. Erweitert wird das Programm durch gemeinsame Gebete, durch die Begegnung mit Missbrauchsopfern und durch eine programmatische Schlussrede von Papst Franziskus am Sonntag.

Geistlicher mit Kreuz (Symbolbild) (Foto: dpa Bildfunk)
Betroffene fordern: Missbrauchsfälle in der Kirche sollen aufgeklärt werden (Symbolbild)

Die zentralen Fragen dabei: Was ist zu tun, wenn Missbrauchsfälle bekannt werden, und wie können Kinder in der Kirche besser geschützt werden? Der Theologe Magnus Striet von der Universität Freiburg forderte im SWR, dass eine Gewaltenteilung in das System Kirche eingezogen werde. "Es müssen Kontrollinstanzen vorhanden sein, die greifen, wenn Missbrauchsfälle beobachtet werden."

Striet begrußt den Missbrauchsgipfel, betont aber die Verantwortung der Ortskirchen: "Seit einigen Jahren geht eine Illusion zu Ende, dass man das gesamte ‚System Kirche' global steuern kann", so der Theologe im SWR.

Skepsis bei den Opfern

Verbände von Betroffenen, die in ihrer Kindheit und Jugend von katholischen Geistlichen missbraucht worden waren, sehen die Aufarbeitung in der katholischen Kirche skeptisch. Thomas Schnitzler aus Trier wurde mit elf Jahren von einem Kaplan sexuell missbraucht und engagiert sich bei der Betroffenen-Initiative MissBiT (Missbrauch im Bistum Trier).

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Die katholische Kirche, sagt er, könne ihn gar nicht mehr enttäuschen. Er würde den Teilnehmern des Missbrauchsgipfels sagen: "Übernehmen Sie endlich Verantwortung, sorgen Sie dafür, dass eine angemessene Entschädigung gezahlt wird, und überlassen Sie die Aufklärung unabhängigen Instanzen."

Betroffener aus Stuttgart befürchtet "Jammerpalaver"

Ein Stuttgarter, der im Alter von 14 von einem Pfarrer missbraucht worden war, befürchtet, dass die Veranstaltung im Vatikan ein "großes Jammerpalaver mit viel Selbstmitleid" wird. Er meint, es gäbe eben keine Sprache für den Missbrauch in der Kirche.

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Mittäter noch nicht entmachtet

Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschen Sektion von "Vatican News", dem Nachrichtenportal des Vatikans, sieht die Teilnehmer des Treffens doppelt in der Pflicht: "Zum einen muss erstmal international über die Kulturen hinweg das Bewusstsein hergestellt werden, dass das ein Kirchenproblem ist", sagte Hagenkord im SWR.

Außerdem gehe es um die Anwendung bestehenden Kirchenrechts: "Wir haben seit 2001 Regeln und seit 2010 sogar verschärfte Regeln - die müssen angewendet werden. Die Regeln zu haben, reicht nicht aus", so Hagenkord.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, fordert im Gespräch mit dem SWR, dass mit der Vertuschungspraxis in der katholischen Kirche Schluss sein müsse, sprich: strafrechtliche Verfolgung.

REDAKTION
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