Kommentar: Merz und "AKK" Sie will, er nicht

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Nach der knapp verlorenen Wahl des CDU-Vorsitzes forderten einige Parteimitglieder, Merz in das operative Geschäft zu holen. Jetzt machte Merz klar, dass er keinem Gremium beitreten will. Er wollte nie richtig, kommentiert Berlin-Korrespondent Alex Krämer.

Er zögert, er springt nicht, er will es wohl gar nicht so richtig: Das war schon der Eindruck, als Friedrich Merz auf dem Parteitag in Hamburg seine wirklich schlechte Bewerbungsrede hielt.

Das war der Eindruck, als er anschließend nicht in die Parteispitze ging, obwohl ihm alle Türen offen gestanden hätten. Das war der Eindruck in den Wochen danach, als die CDU einen Tanz aufführte, als ginge es darum, einen divenhaften Wirtschafts-Nobelpreisträger für sich zu gewinnen - ja, ins Kabinett würd ich ja vielleicht schon, aber sonst, aaach, ich weiß nicht so richtig….

"Parteinahe Expertenkommission - wow!"

Und das ist der Eindruck jetzt, nachdem sich Merz mit Annegret Kramp-Karrenbauer geeinigt hat: Merz geht in eine parteinahe Experten-Kommission zu Wirtschaftsthemen, die nur Eingeweihten bekannt ist - wow! Dabei hätte Kramp-Karrenbauer vermutlich sogar eine eigene Friedrich-Merz-Kommission eingerichtet oder ein anderes tolles Amt erfunden, um die Anhänger ihres unterlegenen Konkurrenten ruhig zu stellen.

Friedrich Merz (Foto: dpa Bildfunk)
Friedrich Merz will in keiner Kommission und keinem Gremium der CDU mitarbeiten - da sagte er am Freitag.

"Ruf nach mehr Merz kommt von seinen Anhängern"

Aber das ist genau der Punkt: Der Ruf nach mehr Merz kommt vor allem von seinen Anhängern. Dass auch Friedrich Merz  tatsächlich mehr Merz in der CDU möchte, dafür gibt es keine Belege. Parteiarbeit ist anstrengend: Öde Gesprächsrunden, in denen man auch noch freundlich bleiben sollte, Wochenendtermine, Gulaschsuppe, keine Hoheit über den Terminkalender, und Geld gibt’s auch keins dafür. 

Friedrich Merz scheint das nicht zu locken, daher jetzt die halbherzige Lösung: Er hat sich für die bequeme Position an der Seitenlinie entschieden. Mandanten und gut bezahlte Aufsichtsratsposten behalten, gelegentlich vom Sauerland aus bedeutungsschwangere Interviews geben - irgendeiner wird schon anrufen - und ansonsten die Projektionsfläche für die Unzufriedenen bleiben: So sieht auf absehbare Zeit Merz Zukunft aus.

Für Merz bequem, für Kramp-Karrenbauer unbequem

Was für Merz sehr bequem ist, ist für Annegret Kramp-Karrenbauer unbequem: Wirklich eingebunden hat sie Merz nicht. Sobald sie Schwäche zeigt, sobald zum Beispiel mehrere Landtagswahlen verloren gehen, werden sich wieder ziemlich übertriebene Hoffnungen auf den Sauerländer richten.

Die Zeit arbeitet allerdings für AKK: Friedrich Merz ist 63, die Zeit, die einem als Hoffnungsträger noch bleibt, ist in diesem Alter überschaubar. Noch entscheidender und am Anfang schon mal gesagt: Er zögert, er springt nicht, er will es wohl gar nicht so richtig. Kramp-Karrenbauer dagegen will - das hat sie unter Beweis gestellt.

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