Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair steht spät abends auf dem Frankfurter Flughafen (Foto: picture-alliance / dpa)

Luftfahrt-Experte Spaeth zu Ryanair-Streik "Ryanair-Flüge werden teurer werden."

Am Donnerstag wollen die irischen Piloten von Ryanair streiken. Ein langwieriger Arbeitskampf droht. Ist das Geschäftsmodell des Billigfligers bedroht? Ein Gespräch mit dem Luftfahrt-Experte Andreas Spaeth.

SWR Aktuell: Kann sich denn ein Unternehmen wie Ryanair so einen Streik überhaupt leisten, wenn tagelang ein Großteil der Flüge ausfällt?

Andreas Spaeth: Die Frage ist eher: Kann das Unternehmen sich leisten, auf Dauer die Mitarbeiter dermaßen unterhalb der üblichen Standards, was Lohn und Sozialleistungen betrifft, zu beschäftigen, um auf deren Kosten Riesenprofite zu machen? Das ist die Frage, die man sich bei Ryanair stellen muss, die ja sehr erfolgreich sind, aber eben oft auf Kosten ihrer Mitarbeiter.

Denn die billigen Flüge sind im Grunde zu billig für Europa, weil hier einfach Arbeitskosten üblich sind, die solche günstigen Tarife eigentlich nicht ermöglichen. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, wann die Mitarbeiter aufbegehren würden. Das tun sie jetzt, und das ist in gewisser Weise ein hausgemachtes Problem bei Ryanair.

Andreas Spaeth (Foto: picture-alliance / dpa, Lukas Schulze)
Der Luftfahrt-Experte Andreas Spaeth Lukas Schulze

Welche Folgen drohen Ryanair langfristig, wenn sich Streiks häufen?

Auf jeden Fall wird das natürlich für die Passagiere sehr unangenehm, und dann auch für die Firma, die erfolgsverwöhnt und profitorientiert ist und eigentlich ständig steigende Gewinne vermeldet hat über die letzten Jahrzehnte.

Man muss überlegen: Der Gründer von Ryanair - ich kenne ihn gut - Michael O'Leary, der ist mittlerweile geschätzt eine halbe Milliarde Euro schwer, die er über Ryanair verdient hat. Und die Aktionäre haben auch lange Zeit fette Gewinne eingestrichen.

Aber es ist klar, dass gerade in der jetzigen Situation, wo das Personal knapp geworden ist in Europa - vor allen Dingen bei den Piloten, aber auch bei der Kabinenbesatzung - dass da das Personal selbstbewusster wird und sagt, wir geben nicht um jeden Preis unsere Arbeitskraft her. Das ist eigentlich sehr verständlich.

Welche Erfahrungen gibt es da bei anderen Fluggesellschaften in der Vergangenheit?

Grundsätzlich vergessen Verbraucher ziemlich schnell. Wir erinnern uns: Lufthansa hatte massive Streiks in den letzten Jahren, vor allem der Piloten. Viele Menschen haben damals geschworen, in aktueller und akuter Wut, sie würden nie wieder mit Lufthansa fliegen.

Aber das sind normalerweise sehr kurzlebige Wutausbrüche, die völlig verständlich sind, aber es zeigt sich generell - und das wird sich auch bei Ryanair zeigen - dass die Menschen erstens schnell vergessen und zweitens vor allen Dingen auf billige und günstige Preise aus sind.

Ryanair-Preise befinden sich oft unterhalb des eigentlichen Kostenniveaus für einen solchen Flug, von Umweltfolgen ganz zu schweigen. Das heißt, auch wenn jetzt Kunden verärgert werden durch Streiks, in einem halben Jahr oder der nächsten Zeit werden sie mit Sicherheit wieder buchen, weil sie einfach günstig von A nach B kommen wollen. Das wird Ryanair sicherlich auch weiter bieten.

Allerdings gehen wir Experten davon aus, dass Ryanair Flüge in Zukunft teurer werden, weil die Firma wahrscheinlich nicht umhin kann, mit ihren Mitarbeitern Tarifverträge abzuschließen, die sich mehr an den europäischen Standards orientieren und über dem liegen werden, was bisher bei Ryanair an Dumpinglöhnen üblich war.

Geht es Ryanair langfristig an den Kragen sozusagen, wenn die Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen nicht mehr mitmachen wollen?

Man muss Ryanair zu Gute halten: Sie haben in der letzten Zeit nach langen Protesten schon ein wenig bewegt, und gegenüber den Passagieren gesagt, sie wollen "immer besser werden". So heißt ein Programm, das Ryanair immer vor sich her trägt als großen Beweis, dass sie doch so passagierfreundlich werden.

Das gilt in etwas langsamerer Form auch gegenüber den Mitarbeitern, das heißt Ryanair wird irgendwann "erwachsen" werden müssen und deswegen vermutlich zu etwas höheren Kosten produzieren, was dann wiederum etwas realistischere und damit höhere Ticketpreise zur Folge hat. Aber ich glaube nicht, dass das Geschäftsmodell von Ryanair deswegen in Frage steht.

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