Europawahl (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Guido Kirchner/dpa)

Letzte Umfrage Infratest dimap: Das Interesse für die Europawahl ist ungewöhnlich groß

Wahlforscher sind ziemlich erstaunt: So eine Stimmung wie vor diesem Wahl-Sonntag gab es noch nie. Das Interesse sei erstaunlich groß.

"Die Europawahl trifft ein Interesse, das wir so noch nicht gemessen haben. Die Deutschen sind sehr stark mobilisiert. Sie interessieren sich wie nie zuvor für den Europawahlgang", sagt Roberto Heinrich von Infratest dimap. Fast sieben von zehn Befragten würden sich stark oder sehr stark für die Wahl interessieren.

Im Vergleich zur letzten Wahl ist das fast eine Verdoppelung, dabei erhalten Europawahlen traditionell gerne den Stempel "eher unwichtig". Experten sprechen auch von einer "nationalen Nebenwahl" oder "second order national election".

Das erklärt Politikwissenschaftler Thorsten Fass von der Freien Universität Berlin: "'Second order' heißt 'dies ist nicht so wichtig' und 'national' heißt aber auch, dass es eigentlich weniger um europäische Themen geht. Es wird am Wahlabend in Deutschland nicht drum gehen, wer der nächste Kommissionspräsident sein wird, sondern wie es mit AKK und Andrea Nahles weitergeht. Das heißt, so eine wirkliche europäische Debatte, die führen wir eigentlich nicht."

Europa sollte mehr gemeinsame Politik machen

Und doch hat Infratest dimap diese Zahlen ermittelt: Jeweils rund acht von zehn Befragten sagen: Ja, Europa sollte mehr gemeinsame Politik machen. Durch die EU leben wir sicherer und die EU-Mitgliedschaft sorgt dafür, dass es uns wirtschaftlich gut geht.

Drei Top-Themen für Wahlentscheidung

Das sehen übrigens alle Anhänger aller Parteien mehrheitlich so mit Ausnahme der AfD. Die drei Top-Themen für die Wahlentscheidung am Sonntag sind Umwelt- und Klimaschutz, soziale Sicherheit und Friedenssicherung.

Die Wähler seien zum Beispiel durch den Brexit sensibilisiert, sagt Wahlforscher Heinrich weiter. "Hat dieses Bündnis in der jetzigen Zusammensetzung eine Zukunft oder nicht?" All dies könne dazu beitragen, dass diese Wahl doch stärker europäisch geprägt ist als vorangegangene Europawahlen.

Noch zwei Zahlen von Infratest dimap, die nicht zum Klischee der irgendwie langweiligen Europawahl passen: Nur gut zwei von zehn Befragten sehen die Abstimmung als Denkzettelwahl für die Regierungsparteien in Berlin. Dagegen sagt die absolute Mehrheit - - gut sechs von zehn Befragten -, dass ihre Wahlentscheidung diesmal wichtiger sei als bei anderen Wahlen.

Dauer

Am Sonntag werden 96 Abgeordnete aus Deutschland ins EU-Parlament gewählt, den beiden Volksparteien werden bei der Abstimmung deutliche Verluste vorhergesagt. Während die CDU/CSU dennoch ihren Spitzenplatz halten dürfte, könnten die Grünen die SPD als zweitstärkste Kraft aus Deutschland ablösen.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG