Skifahrer im Schnee (Foto: dpa Bildfunk, Karsten Koch)

Lawinengefahr und Notfallausrüstung für Skifahrer Bergwacht Schwarzwald: "Technik macht nicht unverwundbar"

Drei Skifahrer aus dem Kreis Biberach starben in einer Lawine, obwohl sie Spezialausrüstung wie Lawinen-Airbags dabeihatten. Die Bergwacht Schwarzwald warnt, zu sehr auf die Technik zu vertrauen.

Der vierte Skifahrer aus der Gruppe der verunglückten Skisportler ist noch nicht gefunden, vielleicht ist auch er tot. Die Touristen aus dem Kreis Biberach waren bei Lech in einem wegen Lawinengefahr gesperrten Gebiet außerhalb gesicherter Pisten unterwegs.

Der Vorsitzende der Bergwacht Schwarzwald und Bürgermeister von St. Blasien, Adrian Probst, versteht, dass Schneemassen wie jetzt eine ungeheure Anziehungskraft auf begeisterte Skifahrer ausüben. In der derzeitigen Katastrophenlage sei das Risiko aber so hoch, dass "ein Verlassen der Skipiste nicht gerechtfertigt ist". In einer solchen Situation würden sich auch die Rettungskräfte einer Lebensgefahr aussetzen.

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"Top ausgestattete Skifahrer gehen höheres Risiko ein"

Die bei Lech am Arlberg verunglückten Skifahrer hatten jede Menge Notausrüstung dabei: Lawinen-Ortungsgeräte, Schaufeln, Sonden. Sie trugen sogar so genannte Lawinen-Airbags, die die Menschen in einer Lawine oben halten sollen, damit sie nicht verschüttet werden. Das hat trotz ausgelöster Airbags im aktuellen Unglücksfall nicht funktioniert.

Ein Bergwacht-Mitarbeiter demonstriert, wie ein Lawinen-Airbag funktioniert (Foto: dpa Bildfunk, Frank_Leonhardt)
Ein Bergwacht-Mitarbeiter demonstriert, wie ein Lawinen-Airbag funktioniert (Archivbild) Frank_Leonhardt

"Wir beobachten immer wieder, dass Menschen, die top ausgestattet sind, sich unverwundbar fühlen und dann auch ein größeres Risiko eingehen. Deshalb unterstreichen wir bei jeder Möglichkeit, dass es auf das Training ankommt, mit diesen Ausrüstungsgegenständen auch umgehen zu können." Noch viel wichtiger sei, die Lage vor Ort korrekt einzuschätzen, denn "ich kann mit der besten Ausrüstung bei einem sehr großen Risiko nichts ausrichten, sondern begebe mich in eine Gefahr. Technik macht nicht unverwundbar."

Retter beurteilen zunächst nicht, warum jemand in Gefahr ist

In den USA wird in Katastrophenfällen rigoros nach dem Motto verfahren: Wer zum Beispiel bei einem Hurrican den Befehl der Behörden zur Evakuierung missachtet, muss alleine ums Überleben kämpfen, weil die Helfer wegen solcher Leute nicht ihr Leben riskieren sollen.

In Deutschland laufe das anders, sagt Probst: "Grundsätzlich gilt, dass alle Hilfsorganisationen nicht beurteilen, wie es zu einem Unglück kam, wieso sich jemand in Gefahr gebracht hat. Wir helfen dann, wenn die Hilfe angefordert ist."

Man könne nur an Skisportler appellieren. Eine gesetzliche Regelung strebe die Bergwacht nicht an: "Wir vertrauen darauf, dass gerade jetzt mit Blick auf die Bilder aus dem Alpenraum doch die Vernunft bei den Menschen einkehrt."

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