Über die Gülle gelangt das Nitrat in den Boden und in das Grundwasser. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Philipp Schulze/dpa)

Kritik von allen Seiten an neuem Entwurf Neue Düngeverordnung für weniger Nitrat: "Die Ampel steht auf rot"

Die neu entworfene Düngeverordnung soll das Nitrat im Grundwasser verringern und das Trinkwasser besser schützen. Doch der Entwurf ist nicht mal von der EU abgesegnet, da hagelt es bereits Kritik.

Alle wollen sauberes Grundwasser, aber die neuen Vorschläge von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gehen den einen viel zu weit, den anderen nicht weit genug.

Kann die neue Düngeverordnung denn tatsächlich das Problem der hohen Nitratwerte im Grundwasser beheben? Eine Einschätzung von SWR-Umweltredakteur Werner Eckert:

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Bauernverbände: Bauern sind gefährdet

Der Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes Franz-Josef Holzenkamp und der Bauernpräsident Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartelt, sind sich einig: Die wirtschaftliche Basis vieler Bauern sei gefährdet, wenn die EU-Kommission dem neuen Vorschlag zur Düngeverordnung zustimmen sollte.

Die Pfälzer Gemüsebauern wären nicht mehr konkurrenzfähig und viele Kulturpflanzen bekämen einfach zu wenig Nährstoffe, wenn die Stickstoffdünger um 20 Prozent in den Problemgebieten zurückgefahren würden. Um das Grundwasser zu schützen, gehe dieser Vorschlag viel zu weit, so Holzenkamp und Hartelt.

Umweltschützer: Der Entwurf geht längst nicht weit genug

Agrarexpertin Silvia Bender vom Naturschutzbund BUND dagegen glaubt, auch mit den neuen Vorschlägen zur Stickstoffreduktion werde sich insgesamt kaum etwas am zu hohen Nitrateintrag ins Grundwasser ändern.

Besondere Sorgen machen sich die Naturschutzverbände um Wiesen und Weiden. Für sie ist in der neuen Düngeverordnung nämlich keine Reduktion vorgesehen. Wenn aber hemmungslos Gülle auf dem Dauergrünland ausgebracht werden darf, dann geht das auf Kosten der Artenvielfalt. Kräuter und Wiesenblumen vertragen nämlich nicht so viel Stickstoff.

"Die Ampel steht auf rot"

Besonders pessimistisch beurteilen die Wasserversorger den Entwurf zur Düngeverordnung: "Die Ampel steht auf rot", sagt Ronald Roepke, der wasserpolitische Sprecher der Wasser- und Energieversorger in Hessen und RLP: Die heutigen Landwirte können zwar nichts für den aktuell schlechten Zustand des Grundwassers, daran ist auch schon die vorherige Generation Bauern schuld.

Aber genau deshalb reichen 20 Prozent weniger Stickstoffdünger in den gefährdeten Gebieten nicht aus, sagt Ronald Roepke. Aus Sicht der Wasserversorger sollte die Landwirtschaft hier 30 Prozent weniger Stickstoff ausbringen, damit der Nitratwert langfristig unter dem Grenzwert von 50 mg pro Liter Wasser bleiben kann. Nur dann, so Roepke, sei unser Grundwasser als sicheres Trinkwasser auch noch für unsere Kinder brauchbar.

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