Ärzte operieren einen Patienten (Foto: picture-alliance / dpa)

Krankenhausreport Wer die richtige Klinik wählt, überlebt Bauch-OP eher

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Wer krank ist und operiert werden muss, hat ein höheres Risiko, die OP nicht zu überleben, wenn er die falsche Klinik wählt. Das ist ein Ergebnis des Barmer-Krankenhausreports 2018.

Im Fokus der Studie stand das sogenannte Bauchaortenaneurysma. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Erweiterung der Bauchschlagader. Seit Anfang des Jahres zahlen Krankenkassen in Deutschland dafür eine Vorsorgeuntersuchung für alle über 65-Jährigen.

Mehr als 11.000 Operationen in einem Jahr

Denn rund 200.000 Menschen leiden bundesweit daran. Es trifft vor allem Männer über 70. Auch Albert Einstein, Charles de Gaulle und Thomas Mann sind an einer geplatzten Bauchschlagader gestorben.

Mehr als 11.000 Patienten wurden 2016 in deutschen Kliniken an der Bauchschlagader operiert. Diese Fälle hat die Barmer-Krankenkasse gemeinsam mit dem Leipniz-Institut für Wirtschaftsforschung untersucht. Das Ergebnis fasst Barmer-Vorstandsvorsitzender Christoph Straub zusammen:

"Wie hoch das Risiko ist, nach einer planbaren Operation zu versterben, hängt davon ab, in welchem Krankenhaus Sie operiert werden und wie Sie operiert werden."

Christoph Straub, Barmer-Vorstandsvorsitzender

Denn operiert werden kann die Bauchschlagader entweder mit einem großen Schnitt in die Bauchdecke oder mit kleinen Löchern und winzigem OP-Besteck, also minimal-invasiv.

Sterblichkeit ist in zertifizierten Kliniken niedriger

"Die Sterberate ist kurz- und mittelfristig geringer, wenn eine minimal-invasive Operation stattfindet, anstelle einer offen chirurgischen Operation", so Straub. Die Studie habe das für einen Zeitraum von drei Jahren untersucht.

Außerdem sei die Sterblichkeit niedriger, wenn die Operation in einem zertifizierten Gefäßzentrum oder einer Einrichtung durchgeführt wird, die hohe Fallzahlen aufweist, so Straub. Mehr als 500 Kliniken in Deutschland operieren Bauchschlagadern, aber nur jede fünfte ist bisher zertifiziert.

Regionale Unterschiede nicht erklärbar

Welches Verfahren angewandt wird, ist der Studie zufolge regional sehr unterschiedlich. In Sachsen sind bereits 85 Prozent der Operationen minimal-invasiv, im Saarland sind es gerade mal 60 Prozent.

"Warum das so ist, können wir im Detail nicht nachschauen", sagt Boris Augurzky vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. "Wir würden aber empfehlen, dass man versucht, hier auf höhere Werte in den Bundesländern zu kommen."

Sterberate in Rheinland-Pfalz, Hamburg und im Saarland am höchsten

Denn dadurch steige die Wahrscheinlichkeit für Patienten zu überleben. Bisher ist die Sterberate in Hamburg, Rheinland-Pfalz und im Saarland am höchsten, in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg am niedrigsten.

Straub empfiehlt daher, dass für planbare Operationen, die komplex und für Patienten riskant sind, eine Mindestoperationszahl vorgegeben wird.

Ausbau des minimal-invasiven Eingriffs entscheidend

Das würde allerdings Nachteile bei der Erreichbarkeit von geeigneten Kliniken für Betroffene bringen. Im Moment könnten fast 99 Prozent der Patienten eines der 511 Krankenhäuser, die diese Operation durchführen, innerhalb von 45 Minuten erreichen, sagte Straub. Diese Zahlen verschlechtern sich, wenn nicht mehr alle bisherigen Krankenhäuser die Operation durchführen dürfen.

Entscheidend ist deshalb der Ausbau des minimal-invasiven Eingriffs. Denn mit der neuen Vorsorgeuntersuchung rechnen die Verantwortlichen mit deutlich steigenden Patientenzahlen.

Unterschiede auch bei Verweildauer und Kosten

Auch bei der generellen Verweildauer von Patienten und den Kosten für Aufenthalt und Behandlung weist der Krankenhausreport 2018 große Unterschiede auf.

So waren Patienten in Thüringen im vergangenen Jahr deutlich häufiger in Kliniken als in Baden-Württemberg. In Thüringen kostete das pro Versichertem gut 1.000 Euro, im Südwesten nur rund 770.

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