Stau (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Verkehrswende Kommentar zum Klimaschutz: Entweder jetzt handeln oder aufgeben!

Mit reinen Deko-Lösungen wird die Verkehrswende zum Klimaschutz nicht gelingen. Es wird und muss weh tun, kommentiert Werner Eckert aus der Umweltredaktion.

Klimaschutz ist prima, solange er die anderen betrifft. Gerade zerrupft es diese Gesellschaft. Ziemlich viele finden die Schülerdemos freitags für Klimaschutz gut. Aber ziemlich viele wollen auf keinen Fall, dass sich dadurch etwas ändert.

So wird das nichts. Fakt ist, auf den Straßen hat sich seit Jahrzehnten nichts verbessert. Was der magere technische Fortschritt bei den Verbrennungsmotoren noch gebracht hat, das haben mehr Kilometer und größere Motoren wieder aufgefressen.

Aufgeben oder Anpacken

So kommen wir nachgewiesenermaßen nicht weiter. Jetzt gibt es exakt zwei ehrliche Möglichkeiten: Entweder wir geben das mit dem Klimaschutz einfach auf und verabschieden uns im Übrigen vom Fortschritt. Oder wir gehen das Problem endlich an.

40 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 sind nicht mit "grüner Welle" und "Verkehrsverflüssigung" zu machen - den Lieblingsthemen des Verkehrsministers. Andreas Scheuer (CSU) stellt sich, wie wir wissen, gelegentlich dumm.

Jetzt arbeiten und nicht nur dekorieren

Wer dieses Ziel wirklich erreichen will, der muss jetzt hart an die Arbeit gehen. Die Kommission Klimaschutz und Verkehr darf sich da nicht nur auf weichgespülte Show-Elemente konzentrieren.

Die Dinge, die wirklich etwas bringen, sind lange bekannt: weniger Kilometer, mehr Last auf die Schiene und Elektroautos. In dieser Reihenfolge müsste es passieren. Alles andere ist Dekoration.

Finanzielle Belastung von Staat und Bürgern

Von selbst wird es nicht funktionieren. Also braucht es politische Leitplanken: Mehr Geld für die Bahn und die richtigen Prioritäten beim Ausbau, viel mehr für den öffentlichen Nahverkehr in den Städten und vor allem auf dem Land. Meinetwegen auch noch mehr Prämien für Elektro-Autos.

Aber nur Zuckerbrot zu versprechen, wäre unredlich. Wir werden auch die Peitsche spüren müssen. Da wäre ein CO2-Preis - also ein Aufschlag für die Klimabelastung. In der simpleren Variante hieße das, den Sprit einfach so lange verteuern, bis es weh tut.

Verkehrsminister Scheuer muss das jetzt wissen

Mir gefallen diese Aussichten als Autofahrer auch nicht. Aber von Nichts kommt Nichts. Die Verkehrswende muss Lösungen bieten für die Menschen im ländlichen Raum. Sie muss sozial abgefedert sein und natürlich muss sie technologie-offen sein.

Alles richtig, aber vor allem muss sie stattfinden. Das zu organisieren, ist der Job des Verkehrsministers. Aber der schaut nun mal gern dem Volk aufs Maul und deshalb ist es auch unser Job, ihm zu sagen: Klimaschutz ist prima, auch wenn er uns betrifft.

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