Papst Franzsikus (Foto: picture-alliance / dpa)

Kommentar zur Papst-Aussage über Abtreibungen "Das sorgt für Entsetzen"

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Die katholische Kirche ist gegen Abtreibungen, doch dass der Papst Abtreibungen mit Auftragsmord gleichsetzt, dürfte viele irritiert haben. Vielleicht weil Franziskus als fortschrittlicher und liberaler galt als seine Vorgänger? Ein Kommentar von Ulrich Pick.

Noch keinen Monat ist es her, dass wir mit bestürzenden Zahlen über sexuellen Missbrauch durch Geistliche und den damit verbundenen Abgründen an Krankheit, Vertuschung und Doppelmoral in der katholischen Kirche konfrontiert wurden, da lässt uns eine Formulierung des Papstes abermals den Kopf schütteln.

Franziskus verglich auf einer Generalaudienz die Abtreibung mit einem Auftragsmord. "Es ist", sagte der Pontifex, "wie einen Auftragsmörder zu mieten, um ein Problem zu lösen."

In welcher Realität lebt der Papst?

Natürlich wissen wir, dass sich kein Papst je für die Abtreibung oder gar den Slogan "mein Bauch gehört mir" stark machen wird. Katholisch bleibt katholisch, und das ist auch verständlich. Aber wer eine Abtreibung als Auftragsmord bezeichnet, muss sich fragen lassen, in welcher Realität er lebt.

Denn eine solche Aussage unterstellt, dass Abtreibungen im Grunde leichtfertig und letztlich aus Boshaftigkeit vorgenommen werden. Mit einem Papst, der die Barmherzigkeit - und damit den Appell für einen milden Umgang auch mit ungewollt schwangeren Frauen - zum Leitbegriff seines Pontifikats gemacht hat, ist das im Grunde nicht zu vereinbaren und sorgt für Entsetzen.

Brüske Aussage verweist auf tieferliegende Gründe

Ist Franziskus also gar nicht so liberal und weltoffen, wie wir gedacht, ja uns gewünscht haben? Möglicherweise. Zudem weist seine brüske und letztlich verletzende Aussage über Abtreibungen noch auf etwas Anderes hin.

SWR-Redakteur Ulrich Pick (Foto: SWR)
Ulrich Pick, SWR-Redakteur

Der Pontifex, den wir wegen seines Engagements für Flüchtlinge, seiner fehlenden Verurteilung von Homosexuellen und seiner Zulassung von protestantischen Ehepartnern zur Kommunion so gut finden, scheint unter enormem Druck zu stehen: Unter dem Druck, bei aller Liberalität, mit der er es auf die Titelseiten der Medien schafft, auch die Erzkonservativen bedienen zu müssen; unter dem Druck, endlich einen Durchbruch zu finden bei seinem Vorhaben, den Vatikan zeitgemäß umzubauen, und vor allem unter dem Druck, dass er vielleicht für all das zu alt - und sein Pontifikat zu kurz ist.  

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