Johannes Kahrs (SPD) spricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag. (Foto: picture-alliance / dpa)

Kommentar zur Generaldebatte im Bundestag "Geht's noch, Johannes Kahrs?"

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Das Verhalten des SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs gegenüber der AfD während der Generaldebatte im Bundestag war unangemessen, findet SWR-Hauptstadtkorrespondent Kilian Pfeffer - ein Kommentar.

Hass macht hässlich, findet Johannes Kahrs (SPD). Und empfiehlt den Mitgliedern der AfD-Fraktion bei seiner Rede im Bundestag: "Schau‘n Sie mal in den Spiegel!"

Mehrere Male nennt Kahrs die AfD-Abgeordneten rechtsradikal, und man kann nur froh sein, dass er sie nicht auch noch "rechtsradikale Arschlöcher" nennt. So, wie er das am Morgen im Fernsehsender Phoenix getan hat.

Da kann man nur fragen: "Geht's noch, Johannes Kahrs?" Kilian Pfeffer findet es gibt drei gute Gründe, warum das nicht geht.

1. Die Würde des Bundestags

Genau die wird von Abgeordneten aller Parteien, erst recht vom Bundestagspräsidenten, immer wieder eingefordert. Im vergangenen Jahr ging das häufig und berechtigterweise in Richtung AfD.

Doch wer beim Schlamm-Catchen einsteigt, kann schwerlich andere glaubwürdig ermahnen.

AfD-Abgeordnete verlassen den Plenarsaal während der Rede von Johannes Kahrs (SPD) bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag (Foto: picture-alliance / dpa)
Während der Rede von Johannes Kahrs (SPD) bei der Generaldebatte im Bundestag verlassen AfD-Abgeordnete den Plenarsaal.

2. Eine Differenzierung der AfD ist notwendig

Es ist schlichtweg nicht in Ordnung, alle AfD-Abgeordnete pauschal als rechtsradikal zu bezeichnen. Einige - und insgesamt zu viele - haben eine ungute Nähe zur Identitären Bewegung oder zu rechtsradikalen Burschenschaften, faseln vom Systemsturz oder relativieren den Nationalsozialismus und seine Verbrechen.

Aber es gibt auch Gemäßigtere, die extremes Gedankengut ablehnen. Von denen würde man sich übrigens eine deutliche Abgrenzung von den anderen wünschen, aber das ist eine andere Geschichte.

3. Wenn man die AfD noch erfolgreicher machen will, dann sollte man es wie Johannes Kahrs machen.

Pöbelangriffe der anderen Parteien lassen die AfD bei ihren Anhängern noch besser, weil noch benachteiligter aussehen. In Windeseile schneidet das Social- Media-Team der AfD-Bundestagsfraktion die Szenen heraus und schickt sie ins Internet. Der nächste virale Hit in der AfD-Blase ist garantiert.

Es ist nicht leicht, mit der Partei und ihren Provokationen umzugehen. Aber anstatt sich gegenseitig zu beschimpfen, dass der eine oder andere auf den Müllhaufen der Geschichte gehört, sollten sich die Abgeordneten lieber nochmal Michelle Obamas berühmte Mahnung in Erinnerung rufen.

Sie hat vor zwei Jahren gesagt: "When they go low, we go high," was so viel heißt wie: Wenn die anderen den Anstand vermissen lassen, dann benehmen wir uns erst recht. Oder: Wenn die anderen mit Dreck schmeißen, dann argumentieren wir sachlich.

ARD-Hauptstadtkorrespondent Kilian Pfeffer (Foto: SWR)
ARD-Hauptstadtkorrespondent Kilian Pfeffer
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