Die Grünenchefs Annalena Baerbock und Robert Habeck (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Guido Kirchner/dpa)

Kommentar zum Parteitag der Grünen in Bielefeld Clevere Strategen - Die Grünen drängen an die Macht

AUTOR/IN

Auf dem Parteitag der Grünen wurde deutlich, die Partei bereitet sich auf eine Regierungsbeteiligung im Bund vor. Die Grünen gehen dabei geschlossen, clever und strategisch vor, kommentiert Berlin-Korrespondentin Nina Barth.

"Fast da. Aber noch lange nicht am Ziel", steht draußen auf einem riesigen Plakat an der Halle. Und das trifft es ziemlich gut. Denn die Grünen haben sich auf den Weg gemacht, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Dauer

Ein strategisch guter und cleverer Parteitag

Ich höre schon jetzt die Kommentare, die Presse gehe zu freundlich mit den Grünen um, Journalisten seien doch sowieso alle Grünen-Freunde. Aber warum nicht sagen, wenn etwas strategisch gut und ziemlich clever war?

Und das war dieser Parteitag. Er war 1A-durchchoreographiert bis ins kleinste Detail. "Fast wie eine amerikanische Wahlkampf-Veranstaltung", sagte ein Delegierter. Ein anderer mit Augenzwinkern: "Fast schon langweilig."

Grüne wollen mitregieren

Die Grünen haben sich tatsächlich so geschlossen präsentiert wie noch nie: 97 Prozent für Annalena Baerbock, 90 Prozent für Robert Habeck bei der Wiederwahl als Parteichefs. Ein Ergebnis, das es so bei den Grünen noch nie gab.
 
Sie drängen an die Macht, sie wollen mitregieren. Eine Botschaft, die nicht nur von den beiden Parteivorsitzenden ausging, sondern von der ganzen Partei - auch das ist neu.

Grüne zeigen Wirtschaftskompetenz

Dass es da nicht reicht, Milieu-Partei zu sein, ist klar. Deshalb haben die Grünen auf diesem Parteitag unter anderem die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt gestellt. Denn gerade da haben sie bei der Kompetenzzuschreibung noch viel Luft nach oben. Auf dem Parteitag haben sie gezeigt, wie sie die sozial-ökologische Transformation, wie sie es nennen, schaffen wollen.

Homöopathie-Streit nur als WLAN-Passwort Thema

Die Grünen haben in der Sache debattiert. Den großen Zoff gab es nicht, der war aber auch nicht zu erwarten. Den drohenden Homöopathie-Streit - die "Globukalypse" - haben sie schon im Vorfeld vertagt. Eine Kommission soll sich drum kümmern. Einzig das Wlan-Passwort auf dem Parteitag erinnerte selbstironisch daran: "Globuli!"

Natürlich birgt auch die K-Frage Sprengstoff. Aber um die wollen sich die Grünen kümmern, wenn sie ansteht. Bis dahin haben sie sie zum Nicht-Thema erklärt.

Als clevere Strategen an die Macht

Das passt zu den Grünen, die inzwischen clevere Strategen geworden sind. Auch wenn manche das vielleicht bedauern: Eine schlechte Voraussetzung für den Weg an die Macht ist es jedenfalls nicht.

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG