Kommentar zu AfD-Äußerungen Der Bundestag wird zur Bühne

AUTOR
Kilian Pfeffer, SWR Berlin

Alice Weidel (AfD) hat bei der Debatte über den Bundeshaushalt für Empörung gesorgt. Das war kein Ausrutscher, glaubt SWR-Korrespondent Kilian Pfeffer, sondern Provokation mit bestimmten Zielen.

Alice Weidel im Bundestag (Foto: picture-alliance / dpa, Kay Nietfeld)
Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel in der Generaldebatte über den Bundeshaushalt Kay Nietfeld

Das ist sie, die nächste Provokation der AfD. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, diesmal liefert Fraktionschefin Alice Weidel. Sie spricht im Bundestag von "Kopftuchmädchen und anderen Taugenichtsen". Und kassiert eine Rüge von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble wegen Diskriminierung.

"Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern."

Alice Weidel im Bundestag

Das war Alice Weidel klar. So intelligent, wie sie ist. Die Provokation war gezielt. Die Frage ist nur: Warum provoziert Weidel eigentlich, wenn sie doch inhaltlich genügend zu kritisieren hat? Drei Überlegungen:

Erstens: Das war hauptsächlich eine Rede für ihre Anhänger. Je krasser man formuliert, desto besser funktioniert es. Der Bundestag wird zur Bühne, und das Publikum sitzt draußen. Eine halbe Stunde nach Ende der Rede wurde sie vom AfD-Social Media Team auf Facebook veröffentlicht. Weidels Anhänger teilen, liken, und kommentieren sie begeistert.

Zweitens: Weidel weiß, was man tun muss, damit über einen in den Massenmedien berichtet wird. Weidel produziert Empörung - und wird mit Aufmerksamkeit belohnt. Dass die Berichterstattung negativ ist, nimmt sie in Kauf. Ein inzwischen altes und eigentlich langweiliges Spiel. Es funktioniert aber immer noch.

Und drittens: Die AfD will die Grenze des Sagbaren immer weiter verschieben. So wie heute. Das finden besonders die gut, die auch gern so roh, so ungefiltert sprechen möchten.

Kilian Pfeffer (Foto: SWR)
SWR-Redakteur Kilian Pfeffer

Über eins sollten wir uns alle klar sein: Es hat seinen Preis, wenn man so spricht. Es droht eine neue Sprachkultur, und das ist schlecht für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Denn keiner möchte, dass irgendjemand so abfällig über einen selbst redet. Egal, wer man ist: AfD-Anhängerin oder Kopftuchträgerin. Alice Weidel sollte sich das nochmal klarmachen. Sie ist schließlich intelligent genug.

AUTOR
Kilian Pfeffer, SWR Berlin
STAND