Urteil zum Töten männlicher Küken: eine Schar Küken (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Kommentar zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Küken "übergangsweise" weiter töten - "Urteil provoziert neue Klagen"

Männliche Küken dürfen weiterhin kurz nach dem Ausbrüten getötet werden. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts scheint alle Interessen zu berücksichtigen, hat aber einen gewaltigen Haken, meint Werner Eckert aus der SWR-Umweltredaktion.

Erstmals sagt hier ein Gericht ganz klar: Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, Tiere zu "produzieren", nur um sie sofort zu töten. Diese Haltung im Urteil ist neu und spiegelt den gesellschaftlichen Wandel wieder. Es ist ja nicht so, dass diese Gesellschaft das schon immer bedenklich fand. Wir alle haben diese Praxis über Jahrzehnte klaglos hingenommen. Und in den meisten anderen Ländern ist das auch weiter kein Thema.

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Und genau deshalb ist das Urteil im zweiten Teil pragmatisch: Übergangsweise gilt so eine Art Vertrauensschutz für die Brütereien. Sie dürfen weiter töten. Ich glaube, dass das leider nur eine vorübergehende Befriedung ist. Das Thema landet ziemlich schnell wieder vor Gericht.

Geschlechts-Test im Ei dauert noch - und wird nicht billig genug sein

Denn seit Jahren hat die Wirtschaft, haben Landwirtschaftsminister versprochen: Sehr bald löst sich das Problem von selbst. Schon im Ei kann man feststellen, welches Geschlecht da wächst - und die männlichen Eier aufschlagen. Das funktioniert - aber nicht gut genug, und vor allem nicht billig genug. Und auch jetzt sagt einer der Anwälte der Brütereien: "Wir brauchen nur noch Monate, vielleicht ein, zwei Jahre."

Definition des Zeitraums "vorübergehend" ist unklar

Wie lange ist vorübergehend?  Das Gericht hat das nicht festgelegt. Das ist schlecht und provoziert neue Klagen. Wie auch immer: Es gibt keine gute Lösung im Schlechten.

Brütereien wären bei Verbot abgewandert

Ein Verbot jetzt und hier, das hätte nur dazu geführt, dass die Brütereien in die Niederlande gegangen wären.

Also bleibt nur die Hoffnung auf die alternativen Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei die einzige Lösung im bestehenden System. Die Politiker sind mindestens da in der Pflicht. Die große Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag stehen, dass sie genau dies bis zur Mitte der Legislaturperiode umsetzen wird. Und das heißt noch in diesem Jahr.

Das Grundsatzproblem ist und bleibt aber, dass der Verbraucherwunsch, gutes Fleisch immer billig zu bekommen, und die hohen Ansprüche an die Tierhaltung nicht zusammenpassen.

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