Donald Trump rügt Journalist Jim Acosta (Foto: Reuters)

Kommentar: US-Präsident und die Medien "5.000 falsche Aussagen seit Trumps Amtsantritt"

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Mit dem Begriff Fake News beschimpft US-Präsident Trump gerne kritische Medien. Er selbst ist im Umgang mit Unwahrheiten gar nicht zimperlich, meint SWR-Redakteur Timo Fuchs.

Donald Trump hat die Lüge aus Prinzip wie kein anderer ins Präsidentenamt eingeführt. Seit Amtsantritt hat er über 5000 falsche Aussagen in Umlauf gebracht. Dass dieses Verhalten dem Präsidenten nicht schadet, sondern dass es die öffentliche Wahrnehmung sogar in seinem Sinne prägt, ist ein fürchterlicher Erfolg der Trump-Ära. Und Trumps Medienpolitik ist der Schlüssel dafür.

Mit dem Entzug der Akkreditierung für einen CNN-Reporter hat diese Medienpolitik jetzt eine neue Qualität erreicht.Bislang hatte Trump vor allem daran gearbeitet, eine parallele Medienwelt aufzubauen. Die sozialen Medien, allen voran Twitter, wuchsen zu einer alternativen Presse für "alternativen Fakten" heran.

Rauswurf von Journalist Acosta: etablierte Medien ausschalten

Der Rauswurf von CNN-Reporter Jim Acosta ist nun aber ein aktiver Schritt, mit dem Trump etablierte Medien regelrecht ausschaltet. Der Journalist Acosta hat nun keinen Zugang mehr zum Weißen Haus. Er wird also weder den Präsidenten noch seine Sprecher dazu bringen können, Entscheidungen der Regierung öffentlich rechtfertigen zu müssen.


Außerdem kamen viele kritische Informationen über die Trump-Regierung bisher aus dem Weißen Haus selbst - zutage gefördert durch Verbindungen von Journalisten zu Mitarbeitern aus dem Trump-Stab. Die Nähe zum Weißen Haus zu verlieren bedeutet auch einen erschwerten Zugang zu Informationsquellen aus dem Zentrum der Macht.

Trumps Maßregelung des CNN-Reporters offenbart, welchen Druck Trump nach der Kongresswahl spürt: Sie hat seinen politischen Gegnern schließlich ermöglicht, seine Handlungen genauer zu untersuchen. Die Maßregelung zeigt aber auch, wie gefährlich Trump ist, und wie er seine Macht immer weiter ausdehnen will.

Machtdemonstration und Warnung fördert mediale Selbstzensur

Denn der Rauswurf des Reporters ist auch das: eine Machtdemonstration, eine Warnung an alle übrigen Journalisten. Sie fördert die Selbstzensur in den etablierten Medien.

Trump beschimpfte Jim Acosta wüst vor Publikum als Feind des Volkes. Später formulierte seine Sprecherin, Acosta habe Hand an eine Praktikantin gelegt, die ihm das Mikro abnehmen sollte - eine augenscheinliche Lüge wie Videoaufzeichnungen zeigen.  Doch die Lüge wird ihre Wirkung entfalten.

Trump im Fernsehen, Hintergrund: Fake News (Foto: Imago, Omar Marques)
Imago Omar Marques

Trump: Immer wieder Behauptungen statt Fakten

Denn Trump und Co brauchen mittlerweile keine Erklärungen mehr, es reicht die Behauptung. Erklärungen sind in der Trumpschen Medienwelt ohne etablierte Presse nicht mehr nötig, weil viele Amerikaner nicht einmal mehr Trumps Lieblingssender Fox News schauen. Stattdessen versuchen sie Trump völlig unkommentiert wahrzunehmen - also nur seine Reden und Mitteilungen.

Amerika steuert damit auf eine totale Emotionalisierung zu. Darin verlieren die Analysen, die die Presse liefert, ihren Wert. Immer weniger kommt es den Bürgern auf Hintergründe und Zusammenhänge an, stattdessen geht es ihnen um schlichte Entweder-oder-Entscheidungen.

In einem Jahr beginnt Wahlkampf ums Weiße Haus

Zu sehen war das bereits bei der Kongresswahl. In Kalifornien wurde der republikanische Abgeordnete Duncan Hunter wiedergewählt, obwohl er wegen Volksverhetzung angeklagt ist, wegen des Missbrauchs von einer Viertelmillion Dollar an Wahlkampfgeldern und wegen über 50 weiteren Punkten. Trotzdem stand die Mehrheit der lokalen Wähler hinter ihm. Einige sagten, sie seien mit seinem Verhalten nicht einverstanden, aber sie wollten eben unbedingt eine Stimme für Trump abgeben. Dieses Schwarz-Weiß-Denken ist Produkt von Trumps Medienpolitik und die wird noch extremer werden, denn schon in einem Jahr beginnt der Wahlkampf ums Weiße Haus.

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