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Kunststreit in Tübingen. Ein Kommentar Wie ein Bidet dank Boris Palmer baden ging

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Der Tübinger OB Boris Palmer (Grüne) hat an der städtischen Kunstkommission vorbei eine Skulpur bestellt. Diese stamme von einer Scharlatanin, unkt ein Kommissionsmitglied. Martin Rupps kommentiert.

Die alte Universitätsstadt Tübingen liegt beschaulich am Strom Neckar und an ein paar Flüsschen mehr, fernab aller Metropolen. Weltstädte plagen sich mit Kunstdieben, Dieselfahrverboten oder kaputten Brücken. In Tübingen steppt der Bär, weil sich Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) frisch verliebt hat.

Die Bildhauerin Carole A. Feuerman schafft hyperrealistische Skulpturen  (Foto: SWR)
Die Bildhauerin Carole A. Feuerman schafft hyperrealistische Skulpturen

Die Auserwählte ist die mexikanische Schauspielerin Yadira Pascault Orozco - zumindest eine Plastikausgabe von ihr. Die amerikanische Bildhauerin Carole A. Feuerman hat sie zum Vorbild einer Skulptur genommen. Eine Schwimmerin mit Badekappe, die gerade dem Wasser entstiegen ist.

Künftig soll sie im Neckar gebadet haben, wenn es nach Boris Palmer geht. Weil die nötigen 100.000 Euro von Spendern kommen, muss er die Kunstkommission seiner Stadt und den Kulturausschuss des Gemeinderats nicht fragen. Dies beschied er den Damen und Herren unmissverständlich. Nicht einmal die Liebe kann einen Boris Palmer zum Diplomaten machen.

Eine Diskussion in der Tübinger Kunsthalle über Palmers Alleingang verlief hitzig. Mindestens eines der fünf Mitglieder in der Kunstkommission hält Carole A. Feuerman  für eine Scharlatanin. Die Kommission will bis 12. Januar eine Stellungnahme formulieren.

Der Tübinger Künstler Björn Voigt setzte ein Bidet in die Ammer (Foto: SWR)
Der Tübinger Künstler Björn Voigt setzte ein Bidet in die Ammer

Der Tübinger Künstler Björn Voigt hat seine Meinung schon kundgetan. In das Bächlein Ammer in der Tübinger Unterstadt ließ er ein Porzellan-Bidet ab. Wenn die Badenixe ein menschliches Bedürfnis verspüren sollte, erläuterte der Spender, ähm Künstler, könne sie ihren angedachten Platz am Neckargestade verlassen und hierher schwimmen.

Im zauberhaften Tübingen mit seinen vielen, pardon, großen Geistern möchte ich diese Möglichkeit nicht ausschließen.

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