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Keine kostenlosen Retouren mehr? Ein Kommentar Rücksendegebühr für Online-Waren? Verrückt!

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Der tägliche Verpackungs- und Versandwahnsinn muss eingedämmt werden. Doch eine Rücksendegebühr wäre Politik ganz wörtlich auf Kosten der Verbraucher, meint Martin Rupps.

Eine verpflichtende Rücksendegebühr bei Onlinekäufen könnte den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland verringern, so das Ergebnis einer Studie von Wirtschaftsforschern der Universität Bamberg. Laut ihren Berechnungen lassen sich mit einer Gebühr in Höhe von drei Euro etwa 40.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. Die Zahl der jährlichen Rücksendungen ginge von 480 Millionen auf 410 Millionen zurück.

Viele zurückgeschickte Online-Artikel landen direkt in der Tonne (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Viele zurückgeschickte Online-Artikel landen direkt in der Tonne Picture Alliance

"Verrückt? Nur, wenn man nicht mit PayPal bezahlt", wirbt der Bezahldienstleister für sein Angebot kostenloser Retouren. Auch bei Amazon, Zalando und Co. ist das Rücknahmeversprechen mehr als ein Kundenservice, sondern Teil des Geschäftsmodells.

Dieses Geschäftsmodell, das bisher weder europäische noch deutsche Gesetzgeber beanstandet haben, ginge mit Hilfe der Klimakeule kaputt. Die Rücksendegebühr bestraft den Verbraucher für etwas, das er ausdrücklich darf. Ich persönlich schätze die Rücksendemöglichkeit sehr – und nehme dafür in Kauf, dass die Kosten dieser Praxis auf den Preis aufgeschlagen werden. Dafür spare ich mir die Diskussionen, wenn mir ein Paar Schuhe oder ein Hemd nach dem Auspacken nicht gefällt. Ich will auch nicht ständig Gutscheine statt Geld nach einem Umtausch kriegen, wie es im Einzelhandel oft passiert.

Der tägliche Verpackungs- und Versandwahnsinn ist eine Hausaufgabe für Politiker. Sie müssen dafür auf Lösungen drängen, etwa auf standardisierte, wiederverwendbare Verpackungen. Eine Rücksendegebühr wäre Politik ganz wörtlich auf Kosten der Verbraucher.

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