Der Papst hat eine Meldepflicht für Missbrauch in der Kirche erlassen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Alessandra Tarantino/AP/dpa)

Missbrauchsskandal in der Kirche Papst erlässt weltweite Meldepflicht für Missbrauch

Papst Franziskus hat eine Meldepflicht für Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche erlassen. Für viele ein überfälliger Schritt - doch es gibt auch Kritik.

Erstmals gibt es jetzt eine Meldepflicht von Fällen sexuellen Missbrauchs für die gesamte katholische Kirche. Für Kleriker und auch Ordensleute werde ab Juni die Verpflichtung eingeführt, Missbrauch und Vertuschung innerhalb der Kirche umgehend anzuzeigen, teilte der Vatikan mit.

In dem Schreiben des Papstes mit dem Namen "Vos estis lux mundi" - auf Deutsch "Ihr seid das Licht der Welt" - heißt es, die katholischen Diözesen auf der ganzen Welt müssten binnen eines Jahres "ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche" Anlaufstellen für Anzeigen einrichten. Die Bischofskonferenz erklärte, dass es solche in Deutschland bereits gebe.

Kritik von Opfern und aus der SPD

Im Vatikan war die Rede von einem "wichtigen Schritt". Bisher seien Meldepflichten "in einem gewissen Sinne dem persönlichen Gewissen überlassen", sagte der redaktionelle Leiter der Kommunikationsabteilung des Vatikans, Andrea Tornielli. Nun werde die Pflicht zu "einer universell gültigen Rechtsvorschrift".

Für viele ist der Erlass der Meldepflicht ein überfälliger Schritt gewesen. Doch Opfer kritisierten umgehend, dass eine Meldepflicht an staatliche Stellen wiederum nicht vorgesehen ist. Das fordern Missbrauchsopfer seit langem. Die kirchlichen Stellen werden aber angehalten, staatliche Ermittlungen zu unterstützen.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) betonte, dass "die schrecklichen Missbrauchstaten keine interne Angelegenheit der katholischen Kirche" seien. Es reiche nicht, dass solche Fälle nur kirchenintern erfasst würden. Staatsanwaltschaften müssten die Chance bekommen zu ermitteln.

Staatliche Aufklärung in manchen Ländern nicht möglich?

Barley mahnte, bringe die Kirche die Fälle nicht vor Gericht, bleibe die "Mauer des Schweigens" erhalten, die den Missbrauch zuletzt jahrzehntelang verschleiert habe. Der Vatikan argumentiert dagegen, dass vor allem in weniger demokratischen Ländern Ermittler nicht geeignet sein könnten, sich der Missbrauchsthematik anzunehmen.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig hat Verständnis dafür, dass es diese automatische staatliche Meldepflicht nicht gibt. Die Leitlinien würden für die Weltkirche gelten, nicht in allen Ländern gebe es rechtsstaatliche Standards, sagte er. Die Normen seien eine weitere wichtige Maßnahme zur Bekämpfung von Missbrauchsfällen sowie deren Vertuschung.

Opferbegriff auf Ordensschwestern ausgeweitet

Im Gesetz steht auch, dass der- oder diejenige, die eine Anzeige machten, geschützt werden und keinerlei "Diskriminierung" erleben sollen. Der Vatikan weitete zudem den Opferbegriff auf Ordensschwestern und Priesteramtskandidaten aus. Und auch Machtmissbrauch gelte als Form des Missbrauchs, hieß es.

Papst Franziskus will offenbar aufs Tempo drücken. Die Verfahren in Rom und in den Diözesen vor Ort sollen sich nicht mehr so lange hinziehen. Deshalb hat er Fristen für Reaktionen auf Missbrauchsanzeigen angeordnet.

REDAKTION
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