Kampf gegen Fehlernährung und Übergewicht Ärzte sehen erschreckende Entwicklung in Deutschland

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Im Kampf gegen Fettleibigkeit fordern Ärzte und Krankenkassen von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen gegen schlechte Ernährung. Die Entwicklung in Deutschland sei erschreckend.

In Deutschland gelten 15 Prozent der Kinder und 60 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig, so das Bündnis. Seit den 1990er Jahren sei die Zahl der übergewichtigen Kinder um 50 Prozent gestiegen, die krankhafte Fettleibigkeit habe sich sogar verdoppelt.

Dicker Junge beim turnen auf dem Kasten (Foto: picture-alliance / dpa)
15 Prozent der Kinder in Deutschland haben Übergewicht.

Zu dem Bündnis gehören die Techniker Krankenkasse, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, die Deutsche Diabetesgesellschaft, die Verbraucherorganisation Foodwatch und der AOK Bundesverband - und auch Fernsehmoderator und Arzt Eckart von Hirschhausen.

Sie alle monieren, dass die Betroffenen oft mit ihren guten Vorsätzen sich ausgewogener zu ernähren, scheitern, weil ihr Umfeld es ihnen schwer macht: Die Nährwertkennzeichnung sei kleingedruckt und kompliziert,  das Kantinenessen in der Schule häufig unausgewogen und viele Erfrischungsgetränke maßlos überzuckert.

Hirschhausen fordert "Bannmeile" für Cola-Automaten

Hirschhausen fordert deshalb die Bundesregierung auf, Gesundheitsgefahren von der Bevölkerung abzuwenden: "Wir haben eine massive Gefahr durch Übergewicht. Die aktuellen Daten sind erschreckend: Wir sind inzwischen eine der fettleibigsten Nationen in ganz Europa", sagte Hirschhausen im SWR. Dagegen helfen könnten unter anderem eine Zuckersteuer oder "Bannmeilen" für Cola-Automaten um Schulen herum nach Schweizer Vorbild. Denn schon eine Dose Cola am Tag mache dick.

Dauer

Zuckersteuer auf stark gesüßte Getränke

Tatsächlich hinkt Deutschland im internationalen Vergleich bei der Prävention von Fehlernährung hinterher. Andere EU-Länder sind da weiter: In England werden seit kurzem stark zuckerhaltige Getränke mit einer erhöhten Steuer belegt - mit der Folge, dass die großen Getränkekonzerne schnell den Zuckergehalt von Cola und Co. reduzierten.

Keine Refill-Automaten für Softdrinks

In Frankreich ist es verboten, so genannte Refill-Automaten für Softdrinks anzubieten, an denen man sich so viel holen kann, wie man möchte. Die Politik in Deutschland hat bei solchen Maßnahmen bisher immer abgewunken. "Wenn man eine Zuckersteuer erhebt auf ein Produkt, ist damit noch nicht gewährleistet, dass wir das Thema Fehlernährung in den Griff bekommen", sagt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Und auch eine so genannte Lebensmittel-Ampel lehnt Klöckner ab.

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