Ein Mann sitzt in einer Kneipe an einem Spielautomat. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Jahrbuch Sucht 2019 Experten warnen vor Alkohol und Glücksspiel

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Millionen Menschen in Deutschland haben ein Suchtproblem. Das zeigt das Jahrbuch Sucht 2019, das in Berlin vorgestellt wurde. Vor allem die Zunahme von Glücksspiel im Internet und an Automaten lässt die Forscher Alarm schlagen.

46 Milliarden Euro Umsatz machte die Glücksspielbranche im Jahr 2017 - und das sind nur die Zahlen des legalen deutschen Marktes. Das waren zweieinhalb Prozent mehr als im Vorjahr. Beim illegalen Glücksspiel legte der Umsatz um eine halbe Milliarde zu. Am einnahmeträchtigsten waren dabei Spielautomaten. Sie hatten einen Anteil von 58 Prozent am Gesamtmarkt.

Diese Zahlen stehen im aktuellen Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Für den Psychologen Prof. Dr. Gerhard Meyer von der Universität Bremen sind sie alarmierend, da Glücksspiel einen hohen Suchtfaktor habe, wie er im Audio erklärt:

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Spielsucht stand im Fokus der Forscher für das diesjährige Jahrbuch Sucht. Rund 180.000 Menschen in Deutschland gelten als spielsüchtig. Hinzu kommen 326.000 mit problematischen Spielverhalten. Immer mehr Menschen als früher suchen Hilfe bei Beratungsstellen. Dass die Glücksspiel-Unternehmen ihren Umsatz trotz strengerer Gesetze und Werbeverboten steigern, alarmiert die Experten.

Eine Badewanne voll Alkohol pro Jahr

Die meisten Suchtprobleme bereiten den Deutschen jedoch nach wie vor Alkohol und Tabak. Auch wenn der Alkoholkonsum um zwei Prozent zurückging, bleibe Deutschland ein Hochkonsumland.

Eine Badewanne voller alkoholischer Getränke konsumierte jeder Bundesbürger im Schnitt im Jahr 2017 - nämlich 131 Liter. Bier lag dabei an erster Stelle mit 101 Litern pro Kopf, Wein folgte auf Rang zwei mit 20,9 Litern.

7,8 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren seien zudem Risikotrinker, wie Christina Rummel, Vize-Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, sagt. Rund 21.700 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren kamen 2017 mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.

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Der Verkauf von Zigaretten ging von 2017 bis 2018 um knapp zwei Prozent zurück, dafür legten Zigarren und Zigarillos um 6,5 Prozent zu. Fast 13,5 Prozent aller Todesfälle haben nach Angaben der Suchtforscher mit den Folgen des Rauchens zu tun.

Frauen und Ältere greifen zu Schlaf- und Beruhigungsmitteln

Auch Medikamentenmissbrauch und illegale Drogen nahmen die Forscher unter die Lupe. Demnach sind 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen von Beruhigungs- oder Schlafmitteln abhängig. Frauen und ältere Menschen sind dabei die Hauptbetroffenen. 300.000 bis 400.000 Menschen sind zudem von anderen Arzneimitteln abhängig.

Cannabis ist bei Jugendlichen und Erwachsenen stark im Kommen. 2017 wurden rund 7.731 Kilogramm Marihuana sichergestellt, das waren laut dem Jahrbuch fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch der Konsum von harten Drogen stieg und hinterlässt Spuren. Im Jahr 2018 wurden 1.276 Rauschgifttote registriert - vier mehr als im Vorjahr.

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